Das Bild zeigt das Cover der ift-Richtlinie Innentüren, Güte und Prüfbestimmungen für Innentüren, RAL-GZ 426, Einsatzbereich

Die neue ift-Richtlinie für Innentüren

Inhalte, Änderungen und Abgrenzung

Lesezeit: 4 Minuten

Im Rahmen der Überarbeitung der Güte und Prüfbestimmungen für Innentüren RAL-GZ 426: 2020 ist der „alte Teil 4“ zur Prüfung an Türelementen entfallen. Die Güte und Prüfbestimmungen beziehen sich unter dem Punkt „Besondere Güte- und Prüfbestimmungen“ im Teil 1 auf Türblätter und im Teil 2 auf Türzargen.

Die Produktnorm für Innentüren EN 14351-2:2018 für betriebsfertige Türelemente ist veröffentlicht, nicht aber harmonisiert. Auch findet sich in der Produktnorm keine Aussage zu sinnvollen Kombinationen an Prüfungen; zudem wird in der Produktnorm keine Aussage zu erforderlichen Klassen bzw. Werten gemacht. Weiter werden in Produktnormen keine Hinweise zu weiteren nationalen Regelwerken wie DIN-Normen gegeben.

In diesem Zusammenhang ist DIN SPEC 18105:2019 erwähnenswert. Sie soll dazu dienen, die objektbezogenen Anforderungen an Wohnungseingangstüren, die von Hausfluren oder Treppenräumen in Wohnungen, Appartements o. ä. führen, zu ermitteln. Sie bietet dem Planer und Architekten jedoch keine Entscheidungshilfe.

Praktisch alle Bauwerke benötigen für ihre Nutzung Öffnungen, die aus Gründen des Komforts, der Sicherheit und der Schall- oder Wärmedämmung verschließbar sein sollen. Hierfür dienen seit frühester Zeit Türen. Die Nutzung von Türen ist allgegenwärtig, und ihr Komfort wie auch ihre Dauerhaftigkeit und ihre universelle Nutzung werden ganz wesentlich bereits in der Planungsphase festgelegt. Die Grundlage einer erfolgreichen Planung und die Auswahl geeigneter Komponenten muss stets die zu erwartende Nutzung des Gebäudes bzw. der Räume sein.

Um hier eine Lücke zu schließen, finden sich in der ift-Richtlinie TU-11/01 „Einsatzempfehlung und Prüfung betriebsfertiger Türelemente (Tür, Zarge, Dichtung, Beschläge) innerhalb geschlossener Gebäude“ sowohl sinnvolle Prüfkombinationen als auch Mindestwerte/Klassen und weitere nationale Anforderungen, die erfüllt werden sollten. Beratern, Planern und Architekten bietet die ift-Richtlinie TU-11/01 somit die Möglichkeit, für die Türen im Gebäude das entsprechend anwendungsbezogene und geeignete Türelement zu wählen.

Die ift-Richtlinie TU-11/1 basiert auf den jahrzehntelangen Erfahrungen des ift Rosenheim und soll bei der Bestimmung der notwendigen Anforderungen Hilfestellung in Abhängigkeit vom Einsatzzweck bieten. Um die Empfehlungen übersichtlich zu gestalten, werden für die häufigsten Anwendungen konkrete Empfehlungen für vier unterschiedlich hohe Komfort- bzw. Qualitätsstufen gemacht. Bei höheren Anforderungen ist eine Fremdüberwachung („Zertifizierung“) der Produkte zur Sicherstellung der Produkteigenschaften sinnvoll.

Neben den in dieser Richtlinie beschriebenen technischen Merkmalen für die Auswahl einer Innentür gibt es zusätzliche Qualitätsmerkmale auf der Grundlage freiwilliger Vereinbarungen der Hersteller (z. B. der deutschen „RAL-Gütegemeinschaft Innentüren“). Diese hat eigene Güte- und Prüfbestimmungen, deren Einhaltung für qualitativ höherwertige Türblätter oder Zargen stehen.

Anwendungsbereich

Die ift-Richtlinie TU-11/1 gilt wie auch die europäische Norm EN 14351-2 bzw. die nationale DIN EN 14351-2 werkstoffunabhängig für alle Leistungsmerkmale von Innentüren. Nicht behandelt werden Feuerschutz- und Rauchschutzeigenschaften.

Die europäische Norm EN 14351-2 unterscheidet Türen im Bauwerksinneren für folgende Verwendungszwecke:

  • Verwendungszweck a) in Fluchtwegen,
  • Verwendungszweck b) für besondere Verwendungszwecke mit besonderen Anforderungen,
  • Verwendungszweck c) lediglich zur Verbindung zwischen zwei Räumen.

Diese Verwendungszwecke können kombiniert werden, z. B. Tür in Fluchtwegen mit besonderen Anforderungen.

Damit die Tür auch störungsfrei funktioniert, ist neben der Auswahl der richtigen Tür für den gewünschten Einsatzbereich immer auch eine fachgerechte Montage erforderlich. Die Montageanleitungen der Hersteller wie auch die Montagebestätigungen z. B. bei Türen mit geprüften und zertifizierten einbruchhemmenden Eigenschaften sind zu beachten.

Prüfung, Zertifizierung und Fremdüberwachung

Für Planer, Bauherren, Hersteller und Monteure ist es unabdingbar, dass wichtige Informationen zu den technischen Eigenschaften und der geplanten Verwendung übersichtlich und klar verständlich in der Landessprache des Einsatzortes zur Verfügung stehen. Deshalb empfiehlt die ift-Richtlinie TU-11/1 für alle definierten Qualitätslevel einen Nachweis der geprüften Leistungseigenschaften für die erforderlichen Klassen und Werte repräsentativer Türen in einer Zusammenfassung (ift-Türenpass) sowie Angaben zum Einsatzbereich.

Eine Fremdüberwachung im Rahmen einer ift-Zertifizierung nach QM 326 rundet das Programm ab.

Einsatzempfehlung

Die ift-Richtlinie TU-11/1 definiert bewusst vier unterschiedliche Komfort- und Sicherheitslevel, um dem Planer, Bauherren und Handwerker die Ausschreibung, Herstellung und Montage zu vereinfachen. Hinter jedem Level steht daher eine Festlegung sinnvoller Kennwerte für die Vielzahl möglicher Eigenschaften für Innentüren.

Tabelle 1 zeigt die Definition unterschiedlicher Qualitätslevel für Innentüren zur Vereinfachung von Ausschreibung, Herstellung und Montage - von Basis bis Exklusiv
Tabelle 1: Definition unterschiedlicher Qualitätslevel für Innentüren zur Vereinfachung von Ausschreibung, Herstellung und Montage
Tabelle 2 zeigt die Definition wesentlicher Einsatzbereiche für Innentüren: Türen in Fluchtwegen, Türen als Wohnungsabschluss, Tür als Wohnraumstür.
Tabelle 2: Definition wesentlicher Einsatzbereiche für Innentüren

Türarten

Türen sollten sinnvollerweise nach Ihrem Einsatzbereich und entsprechend dem Wohnkonzept geplant und ausgewählt werden. Nachfolgend sind drei wesentliche Einsatzbereiche für Türen beschrieben (weitere werden folgen.)

Die ift-Richtlinie TU-11/1:

– betrachtet unterschiedliche Qualitätslevel,

– gibt Erklärungen und Hinweise zu Beanspruchungen,

– beschreibt Einsatzbereiche,

– definiert Einsatzempfehlungen.

Sie bietet somit dem Planer, den ausschreibenden Stellen wie auch dem Hersteller die Möglichkeit, entsprechend den gewünschten Zielen ein geeignetes Türelement zu definieren und eine Auswahl zu treffen.

Entsprechend der drei beschriebenen Einsatzbereiche (Tabelle 2) werden weitere folgen.

 

Literatur

  1. DIN EN 14351-2:2019-01
    Fenster und Türen – Produktnorm, Leistungseigenschaften – Teil 2 : Innentüren
    Beuth Verlag GmbH, Berlin
  2. Gütesicherung RAL-GZ 426:2020-09
    Innentüren aus Holz und Holzwerkstoffen
    Beuth Verlag GmbH, Berlin
  3. DIN SPEC 18105:2019-09
    Fenster und Türen – Wohnungseingangstüren
    Kriterien für die Auswahl von Anforderungen und Merkmalen
  4. ift-Richtlinie TU-11/1
    Einsatzempfehlung und Prüfung betriebsfertiger Türelemente (Tür, Zarge, Dichtung, Beschläge) innerhalb geschlossener Gebäude.
    ift Rosenheim, Mai 2022

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Andreas Schmidt

ift Rosenheim

Andreas Schmidt ist seit 1994 Mitarbeiter am ift Rosenheim. Beginnend als Prüfingenieur im Bereich Türen und Tore war er als Projektingenieur und stellvertretender Prüfstellenleiter wie auch in der Produktzertifizierung tätig. Schwerpunkt ist nun das Produktmanagement im Geschäftsbereich Prüfung. Hier betreut er die Gebiete Innentüren und Tore. Er ist langjähriges Mitglied in nationalen und internationalen Ausschüssen der Normung, Technik und div. Verbänden.