Der Fehler liegt im Detail

Date: 18.05.2022 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Ingo Leuschner | Contact: Susanne Hainbach

Häufige Fehlerquellen bei Türen und Toren

Türen und Tore sind technisch hoch entwickelte, multifunktionale und repräsentative Bauelemente. Soweit die Theorie. In der Praxis kollidieren lückenhafte Planungen, fehlerhafte Ausschreibungen, nicht artikulierte Erwartungen und handwerkliches Unvermögen auf der Baustelle. Die eigentlich guten Produkte haben unter ungünstigen Randbedingungen kaum die Chance zu glänzen. Häufige Wartung, visuelle und funktionale Unzulänglichkeiten – die Liste ist lang, wodurch es zum Streit kommen kann. Vielfach entzünden sich Auseinandersetzungen dabei an Kleinigkeiten, die aber in der Realität die Spitze eines Eisbergs markieren.

Die kritischen Themen rund um Türen sind in den vergangenen Jahrzehnten praktisch gleichgeblieben. An den Türelementen selbst sind dies die Dichtheit (sowohl Luftdurchgang als auch Schlagregen), die leichtgängige Bedienung und visuelle Aspekte. Ein zweites Feld tut sich im Bereich der Montage auf. Entwicklungen der letzten Jahrzehnte wie die „Elektrifizierung“ der Bauelemente, zusätzliche Eigenschaften wie Flucht, Einbruch, die Barrierefreiheit usw. erweitern das Spektrum der Mängel; letztendlich kommt es aber hier immer am Ende auf die wesentlichen Funktionen Sperren, Öffnen und Schließen, die Dichtheit und ein dauerhaft gutes Aussehen an.

 

Verformungsverhalten und Dichtheit

Ein bestimmender Faktor für die funktionale Gebrauchstauglichkeit ist dabei bei Türen stets das Verhalten bei Differenzklima. Nur mit geringen Verformungen ist ein hohes Dichtheitsniveau und eine leichtgängige und störungsfreie Bedienung über das Jahr hinweg sicherzustellen. In der Praxis fällt auf, dass diese Eigenschaft trotz umfangreicher und langjähriger Normung, Prüfung und Klassifizierungsverfahren vernachlässigt wird. In vielen Fällen werden günstige Lösungen bei Türaufbauten gewählt, die sich dann unter realen Bedingungen nicht bewähren. Der anschließende Umgang mit den Verformungen mündet meist im Auswechseln von Dichtungen, (übermäßigen) Nachstellen – auch mehrmals im Jahr – und/oder Anpassungen der Verriegelungen und Schließvorrichtungen. Die Auswirkungen der übermäßigen Verformungen sind weitreichend, da die Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtheit, Schalldämmung, Bedienkräfte, Tauwasserbildung an Profilen davon mit deutlichen Verschlechterungen betroffen sind. Die gängige Praxis, dass 4 mm Gesamtverformung als hinnehmbar angesehen werden, sofern die oben genannten Eigenschaften hinsichtlich der Kennwerte und Klassen weiterhin erreicht werden, ist realitätsfern. Ganz einfach, weil bei derartigen Verformungen nie sämtliche Eigenschaften konstant bleiben.

Neben der Wahl von falschen Konstruktionen werden auch die Belastungen vor Ort falsch eingeschätzt. Durch den allgegenwärtigen Klimawandel kommt es zu Veränderungen bei Temperaturen und Wetterbelastungen. Auch Bauweisen ohne Vordächer, Orientierung des Zugangs zur Wetterseite usw. benötigen klimastabile und wetterbeständige Türkonstruktionen. So werden Türen nach wie vor mit einfachen Schwellenprofilen ausgestattet, die keine Möglichkeit zur Wasserableitung haben, aber dennoch immer wieder mit Schlagregen belastet sind. Viele dieser Probleme können mit (wirksamem) baulichem Schutz erheblich abgemindert werden (Bild 1). Für die Zukunft ist also weiterhin davon auszugehen, dass die (Differenz-)Klimabeständigkeit für Türen die wesentliche Eigenschaft sein wird.

 

Hinkommen, Klarkommen, Reinkommen

Die Begrifflichkeit „barrierefreie Tür“ steht auf einer Stufe mit anderen Oxymora wie „runde Ecke“ oder “4 mm-Nullschwelle“. Die wesentliche Aufgabe eine Tür besteht nun einmal darin, eine Barriere gegen Wetterbelastungen, das Außenklima und unzulässigen Zutritt zu sein. Dennoch hat sich die „Barrierefreiheit“ als eine wesentliche Eigenschaft bei Bauelementen wie Türen etabliert – immer dann wenn es um einfache Bedienung und Benutzung geht. So werden „barrierefreie“ Türelemente, Schwellen, Antriebe usw. beworben und auch ausgeschrieben. Dabei wird immer übersehen, dass die Barrierefreiheit nur in einem baulichen Umfeld stattfinden kann. Dazu sind zwar auch darauf ausgelegte Einzelkomponenten und Türen erforderlich, aber erst in der konkreten Einbaulage stellt sich die gewünschte einfache Erreichbarkeit, Bedienbarkeit und Nutzbarkeit – also die „Barrierefreiheit“ einer Tür ein.

Dies mag zunächst als Haarspalterei anmuten, aber als Beispiel ist in Bild 2 eine Tür zu sehen, bei der die Barrierefreiheit durch die Position im Gang (fehlende Flächen um die Tür) und die schwer erreichbaren Komponenten für den Zutritt nicht gegeben ist. Hierbei sind Personen im Rollstuhl, mit Gehbehinderung, Kleinwüchsige und Personen mit kognitiven Defiziten nicht in der Lage die Tür zu bedienen. Weiterhin ist die Kennzeichnung der Tür und der Bedienelemente nicht entsprechend den Anforderungen für eine leichte Erkennbarkeit, wie sie für sehbehinderte Personen erforderlich ist, erfolgt. Tür-typische „barrierefreie“ Eigenschaften wie die lichte Durchgangsbreite, keine großen Höhenversätze im Schwellenbereich, Griffhöhe spielen also für die Bewertung der Barrierefreiheit hier eine nachrangige Bedeutung.

Aus diesen Feststellungen folgt: Barrierefreiheit ist eine Eigenschaft des Gebäudes mit dessen Komponenten, aber nicht der Türkonstruktion an sich.

 

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Seit jeher spielen das Design, Materialien und Beschaffenheit von Oberflächen bei Türen eine große Rolle. Es existieren eine Vielzahl von Vorgaben aus Regelwerken, z. B.

  • ift-Richtlinie TU-11/1 (neu) Einsatzempfehlung und Prüfung betriebsfertiger Türelemente,
  • RAL-GZ 426,
  • Glas: BF-Merkblatt 007 oder DIN EN 1279-1:2018-10,

aus welchen visuelle Merkmale von Türen abgeleitet werden können. Weiterhin werden auch Vorgaben zur Vorgehensweise bei der visuellen Aufnahme und Bewertung visuellen Unregelmäßigkeiten gegeben. In der Praxis der Beurteilung finden diese Ausführungen Berücksichtigung, allerdings stellt man fast immer fest, dass diese Regelwerke die Realität nur unvollständig abbilden.

Dabei sind nicht beschriebene Unregelmäßigkeiten, nicht anwendbare Betrachtungsbedingungen, Einbeziehung von Beschädigungen aus Transport, Ausbau und Nutzung typische Herausforderungen, die sich bei der visuellen Beurteilung durch Sachverständige ergeben. Generell ist festzustellen, dass die Anforderungen an die Optik durch die Nutzerinnen und Nutzer stark gestiegen sind. Auch die Beständigkeit der Optik und damit verwandte Eigenschaften wie geringe Oberflächenbeständigkeit und Kantenstoßfestigkeit führen regelmäßig zu Unstimmigkeiten.

Themen wie Schutz der Bauteile auf der Baustelle (Bild 3), Montagezargen für eine späte Montage der hochwertigen Türen spielen hier eine wichtige Rolle zur Vermeidung von Schäden und Kosten.

 

Zusammenfassung

Die typischen Themen sind seit Jahrzehnten gleich: die Dichtheit, eine gleichbleibend leichte Bedienung über die Jahreszeiten und optische Beeinträchtigungen machen den überwiegenden Teil der Reklamationen bei Türen aus.

Regelmäßige Feststellung bei Projekten des ift-Sachverständigenzentrums ist, dass die eingesetzten Produkte nicht auf die Belastungen vor Ort abgestimmt sind. Oft sind die Belastungen/Einbaubedingungen nicht bekannt, vielfach aber werden die Umstände aber auch einfach ignoriert – aus Unkenntnis der Folgen, aus Kostengründen oder Designaspekten. Die große Palette der Leistungseigenschaften nach den Produktnormen ist dabei den planenden Stellen so gut wie nicht bekannt bzw. es fehlt eine Rückkopplung der Eigenschaften in die Praxis. Und auch für Türen und Tore gilt: die Ausführung der Montage entscheidet mindestens im gleichen Maße über Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit. Die Planung der Montage und der daran anschließenden Details ist nach wie vor ausbaufähig.

 

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Einfacher und sicherer Nachweis für Fensterlüftung nach DIN 1946-6

Date: 28.02.2022 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Michael Rossa | Contact: Susanne Hainbach

Neue ift-Richtlinien vereinfachen Planung und Ausführung der Fensterlüftung

Durch die Corona-Pandemie hat die Lüftung eine enorme Bedeutung in der Öffentlichkeit sowie bei Bauherren, Immobilienbesitzern und -nutzern gewonnen. Denn richtiges Lüften beugt gesundheitlichen und bauphysikalischen Problemen vor. Dezentrale, ins Fenster integrierte Lüftungsgeräte oder -komponenten (Fensterlüfter) sind für die Lüftung gut geeignet. Bei lüftungstechnischen Maßnahmen in Wohngebäuden muss die DIN 1946-6 beachtet werden. Um den Umgang mit diesem komplexen Normenwerk zu vereinfachen, hat das ift Rosenheim die beiden ift-Richtlinien LU-01/2 „Fensterlüfter – Leistungseigenschaften“ und LU-02/2 „Fensterlüfter – Einsatzempfehlung“ nun überarbeitet. Mit der ift-Richtlinie LU-02/2 steht Planern, Fensterherstellern und Montagebetrieben ein einfaches und praxisnahes Planungsinstrument für die Lüftungsplanung im Wohnungsbau nach DIN 1946-6 zur Verfügung und ist damit eine Alternative zu Softwareprogrammen.

 

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Denkmalschutz im Zeichen des Klimawandels

Date: 09.05.2022 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Prof. Jörn Peter Lass, Jürgen Benitz-Wildenburg | Contact: benitz@ift-rosenheim.de

Energieeffizienz, CO2-Vermeidung, Nachhaltigkeit und Schutz vor Klimafolgen bei der energetischen Sanierung

Denkmalschutz im Zeichen des Klimawandels

Energieeffizienz, CO2-Vermeidung, Nachhaltigkeit und Schutz vor Klimafolgen bei der energetischen Sanierung

 

Der Klimawandel ist da, und die Folgen treffen uns alle – das zeigen die Katastrophen der vergangenen Jahre. Hitzerekorde mit Temperaturen bis zu 47° Grad, Starkregen sowie unerwartete Kälteeinbrüche mit großen Schneemassen gefährden Leben und Gebäude. Daher geht es nicht mehr allein nur darum den Klimawandel durch energieeffiziente und nachhaltige Bauprodukte zu begrenzen, sondern auch darum sich vor den zukünftigen Klimakatastrophen zu schützen. Das ist bei denkmalgeschützten Gebäuden besonders anspruchsvoll. Neben der Reduzierung des Energieverbrauchs (und damit der CO2-Emissionen) in der Nutzungsphase muss auch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung (graue Energie) und die Recyclingfähigkeit der Baumaterialien beachtet werden.

Zusätzliche Tabellen und Grafiken zum Artikel im Fachmagazin „Denkmalsanierung 2022/2023“ vom Mai 2022 (www.denkmal-magazin.de) finden Sie als PDF Download

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Interview – Entwicklung von Fenstersystemen

Date: 31.07.2021 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Prof. Jörn P. Lass | Contact: Jürgen Benitz-Wildenburg

Was ist bei der Planung und Ausführung im Nichtwohnungsbau zu beachten?

Fenster und transparente Fassaden beeinflussen die Raumqualität und die Arbeitsbedingungen sowie den Energieverbrauch von Büroräumen erheblich. Wie multifunktional diese sein müssen, beantwortet der Institutsleiter des ift Rosenheim Prof. Jörn P. Lass.

 

Welche Funktionen eines Fensters müssen sein, welche sind sinnvoll?

Bürogebäude sind meistens mehrgeschossig und daher müssen Fenstersysteme hohe Anforderungen an die Schlagregendichtheit und die Windlast erfüllen. Ein weiteres Muss ist die gute Versorgung mit Tageslicht, so dass auch im Raum liegende Arbeitsplätze genügend Tageslicht bekommen. Ebenso ist ein Sonnen- und Blendschutz unverzichtbar, gerade bei Computerarbeitsplätzen. Der Sonnenschutz muss den Energieeintrag in den Sommermonaten gering halten, um die Raumtemperaturen niedrig zu halten und den Energieverbrauch der Klimaanlage zu reduzieren. Bei hohem Außenlärm durch Verkehr oder Industrieanlagen ist eine höhere Schalldämmung notwendig und wenn es keine zentrale Lüftung oder Klimatisierung gibt, müssen Fenster auch Lüftungs- und Kühlfunktionen (Nachtauskühlung) übernehmen. Wenn Räume nur temporär genutzt werden, ist für Sonnenschutz, Lüftung und Kühlung eine automatische und nutzerunabhängige Steuerung notwendig um eine Überhitzung zu vermeiden.

 

Was ist bezüglich der Lüftung im Kontext der Corona-Pandemie zu beachten?

Durch Corona hat die Luftqualität einen ganz neuen Stellenwert bekommen. In der Vergangenheit wurde diese Anforderung stark vernachlässigt und in vielen Büro- oder Schulräumen gab es ungesund hohe CO2-Konzentrationen über 1500 ppm. Die notwendigen Luftwechselraten und Lüftungszeiten sind im Wesentlichen abhängig von der Raumbelegung, der Aktivität, der Raumgröße und dem Außenklima (Wind, Temperatur), so dass pauschale Empfehlungen nicht hilfreich sind. Es ist ratsam die Räume entsprechend der CO2-Konzentrationen als Führungsgröße zu lüften. Hier können einfache „CO2-Ampeln“, automatisch gesteuerte Fenster oder dezentrale Lüftungsgeräte zum Einsatz kommen, die sich auch im oder am Fenster befinden können. Der bloße Einsatz von Filtergeräten zur Reduzierung der Virenlast ist nicht ausreichend, da eine Begrenzung der CO2- Konzentration hiermit nicht erreichbar ist. Natürlich sollten durch das Lüften keine zu großen Zugerscheinungen auftreten. Hilfreiche Informationen zur Planung und Ausführung bieten die beiden ift-Richtlinien LU-01/2 und LU-02/2.

 

Wie erfolgt die Anbindung an die Gebäudeautomation – gibt es Besonderheiten?

Im Sinne einer guten Energieeffizienz ist eine Anbindung der Fenster an die Gebäudetechnik unbedingt notwendig. Das reicht von einer einfachen Schnittstelle zur Heiztechnik nach dem Motto „Fenster auf – Heizung aus“, bis zu einer vollen Integration, bei der die Fensterlüftung und Verschattung mit der Heiz-/Lüftungstechnik und Beleuchtung vernetzt sind. Durch die Anbindung an Wetterprognosen lassen sich Effizienzeffekte wie die solare Wärmegewinnung oder Nachtkühlung optimal nutzen. Die Kompatibilität mit den gängigen Systemen ist kein Problem mehr. Es sind allerdings kompetente Fachkräfte und Planer mit entsprechender Erfahrung notwendig. Wichtig ist auch, dass gleich zu Beginn ein Monitoring der Steuerung vereinbart wird, denn die spätere Nutzung ist häufig anders wie zu Beginn geplant und deshalb muss nach der Inbetriebnahme nachjustiert werden.

 

Stichwort Barrierefreiheit, inwieweit sind Fenster entsprechend auszurüsten?

Gemäß § 50 der MBO müssen bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, in den dem allgemeinen Besucher- und Benutzerverkehr dienenden Teilen barrierefrei sein. Planung und Ausführung sind gemäß DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude bzw. DIN 18040-2 für Wohngebäude auszuführen. Normative Anforderungen an Fenster sind indes nur in Teil 2 der DIN 18040 formuliert. Weiterhin sind Regelungen der Arbeitssicherheit zu beachten, beispielsweise die technische Regel ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten.“ Die Anforderungen konzentrieren sich auf die Erreichbarkeit des Fensters (Bewegungsfläche vor Fenstern, Leibungstiefe max. 26 cm, niedrige Griffhöhe auf 85 cm), eine leichte Bedienbarkeit mit geringen Bedienkräften (Klasse 2 / EN 13115) und gute Erkennbarkeit der Bedienelemente (kontrastreich, Markierungen, haptische, optische und akustische Informationen) sowie eine niedrige Brüstungshöhe von 60 cm für einen Ausblick im Sitzen. Auch die Öffnungsart und Geometrie sind relevant, denn durch eine geeignete Fensterteilung kann die Erreichbarkeit verbessert und die Bedienkraft reduziert werden. Für die Praxis empfiehlt sich auf jeden Fall eine individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes, bei der die Maßnahmen gezielt zur jeweiligen Einschränkung passen. Auch durch den Einsatz elektromotorischer Beschläge kann die Barrierefreiheit verbessert werden. Entscheidend sind hier die einfache Bedienung durch Taster, App oder Fernbedienung sowie die Beachtung der Nutzergruppe bei den Schutzmaßnahmen im Rahmen der Risikoanalyse. Weitere Tipps und Empfehlungen finden sich in der ift-Fachinfo BA-02/1.



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EPD / Umweltproduktdeklaration EN 15804

Date: 31.01.2022 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Vivien Zwick | Contact: Jürgen Benitz-Wildenburg

Neuer Gebäuderessourcenpass – Bewertung von Lebenszykluskosten und grauer Energie

Die „Eröffnungsbilanz Klimaschutz“ von Robert Habeck (Minister für Wirtschaft und Klimaschutz) hat unmissverständlich gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein zentraler Aspekt der neuen Regierung ist. Bereits für 2022 sind erste Maßnahmen geplant, bei denen die graue Energie und die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden, beispielsweise die Einführung eines digitalen Gebäuderessourcenpass und die Überarbeitung des GEG.

Die EN 15804 für Typ-III-Umweltproduktdeklarationen von Bauprodukten, -leistungen und -prozessen ist die Grundlage zur Bestimmung der Umweltwirkungen und gibt damit auch notwendige Informationen für die Bestimmung der grauen Energie und Lebenszykluskosten. Die EN 15804 wurde nun geändert. Die wichtigste Änderung ist, dass (anders als bisher) Produkte bis zum Lebensende verpflichtend betrachtet werden müssen – also der Aufwand und die Umweltwirkungen für Abbruch, Transport zu Müllaufbereitungs- bzw. Müllentsorgungsstelle, die Abfallbewirtschaftung sowie die Deponierung müssen bestimmt werden. Außerdem muss das Wiedergewinnungs-, Rückgewinnungs- und Recyclingpotenzial beziffert werden. Damit ist eine ganzheitliche Bewertung von Bauprodukten gefordert, und das Recycling bekommt eine höhere Priorität in den EPDs (Umweltproduktdeklarationen). 

Weitere Änderungen ergeben sich bei der Berechnung des gesamten Treibhauspotenzial (globales Erwärmungspotenzial) durch dessen Aufteilung in

1. fossilen Kohlenstoff
2. biogenen Kohlenstoff
3. Emissionen durch Landnutzung und Landnutzungsänderung
 
Zusätzlich können künftig die Wirkungskategorien Wasserknappheit, Humantoxizität mit kanzerogene/nicht kanzerogene Wirkung, Ökotoxizität (Süßwasser) sowie der Einfluss von Feinstaubemissionen und ionisierende Strahlung auf die Landnutzung, Bodenqualität und damit auf die menschliche Gesundheit betrachtet werden. Ferner wird auch ein besonderes Augenmerk auf die Deklaration der Ergebnisse im Produkt und die Verpackung gelegt. Die ift-Experten rechnen daher mit einer wachsenden Nachfrage von Bauherren, Planern, der öffentlichen Hand sowie Hersteller von Bauprodukten, die sich rechtzeitig mit einer firmenspezifischen EPD auf die geänderten Rahmenbedingungen einstellen möchten oder die Daten für eine Gebäudezertifizierung benötigen. Weiterhin ist die Nutzung einer EPD im Rahmen des Eco-Designs, der Ressourceneffizienz und des Product Environmental Footprints (PEF) notwendig.
 
Das ift Rosenheim erstellt seit 2010 EPDs und hat dabei umfangreiche Erfahrungen mit Baustoffen und Produkten rund um die Gebäudehülle gesammelt, insbesondere Fenster, Türen und Tore sowie deren Komponenten. Für das Handwerk und mittelständische Hersteller wurden Muster-EPDs auf Basis von Durchschnittswerten entwickelt, die zu geringen Kosten von ca. 400 – 600,00 Euro erhältlich sind. 
 
Die Gebäudezertifizierung nach unterschiedlichen Zertifizierungssystemen (DGNB, LEED, BNB etc.) konfrontiert Planer, Bauherren und Bauschaffende auch mit verschiedenen Vorschriften, Kennwerten und Zertifizierungsregeln. Um den Durchblick zu behalten, hat das ift Rosenheim deshalb den „Nachhaltigkeits-Produktpass“ (NHPP) entwickelt. Dieser beinhaltet alle relevanten Daten zur Lebenszyklusanalyse (LCA – Life-Cycle Assessment), zum Global Warming Potenzial (GWP). Der Produktpass wird auf Basis einer EPD erstellt. Alle erforderlichen für unterschiedliche Zertifizierungssysteme sind übersichtlich zusammengestellt und vereinfacht Architekten, Bauherren, Auditoren und Herstellern die Bewertung von Bauprodukten im Rahmen einer Gebäudezertifizierung.
 
Alle veröffentlichen Firmen-EPDs finden sich unter https://www.ift-rosenheim.de/erstellte-epds. Fragen zur Normänderung, zu EPDs oder konkreten Projekten gern per E-Mail an nachhaltigkeit@ift.rosenheim.de

 

 

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