Fazit Rosenheimer Fenstertage 2025

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Umgang mit disruptiven Veränderungen in der Fenster- und Fassadenbranche

Rosenheim am 8. + 9. Oktober: Die Fensterwelt im Wandel – Unter diesem Motto informierten die 52. Rosenheimer Fenstertage zu den immensen Herausforderungen, aber auch Chancen für die Fenster- und Fassadenbranche, die sich im Kontext von Klimawandel, Demografie, politischen Krisen, steigenden Baukosten, Wohnungsnot und KI ergibt. In seinem Auftaktvortrag zeigte Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler als Institutsleiter des ift Rosenheim sehr eindrücklich, wie ernst und vehement der Wandel sein wird. Kennzeichnend in vielen Vorträgen war der Buchstabe „R“, der für die neun Aspekte der Kreislaufwirtschaft (Reuse, Remanufacture, Recycling etc.) steht. Die 670 Teilnehmenden erhielten konkrete Lösungsansätze und praktische Hinweise, wie die anstehenden Herausforderungen gemeistert werden können. Damit waren die Rosenheimer Fenstertage für Hersteller, Systemgeber und Zulieferer wieder ein unverzichtbarer Impulsgeber für die strategische Ausrichtung und operative Optimierung der eigenen Unternehmen.

Oskar Anders (Vorstand ift Rosenheim) und Dr. Jochen Peichl (Geschäftsführer ift Rosenheim) eröffnen die 52. Rosenheimer Fenstertage  (Quelle: ift Rosenheim)
Oskar Anders (Vorstand ift Rosenheim) und Dr. Jochen Peichl (Geschäftsführer ift Rosenheim) eröffnen die 52. Rosenheimer Fenstertage (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler bei seinem Vortrag  „Die Welt im Umbruch  – Konsequenzen für die Fenster- und Fassadenbranche“ auf den Rosenheimer Fenstertagen
Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler (Institutsleiter ift Rosenheim) stimmte in seinem Vortrag „Die Welt im Umbruch – Konsequenzen für die Fenster- und Fassadenbranche“ ernste Töne an (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Roland Sitzberger bei seinem Vortrag „Neue Wertschöpfungskette Bau – Wer führt, wer folgt, wer verliert!“ bei den Rosenheimer Fenstertagen
Roland Sitzberger (Porsche Consulting) bei seinem Vortrag „Neue Wertschöpfungskette Bau – Wer führt, wer folgt, wer verliert!“ (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Prof. Dr. Manfred Fischedick bei seinem Vortrag „Earth for All – Aufbruch in eine Zukunft für alle“ auf den Rosenheimer Fenstertagen
Prof. Dr. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut) mit dem Vortrag „Earth for All – Aufbruch in eine Zukunft für alle“ (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Prof. Christian Niemöller bei seinem Vortrag auf den Rosenheimer Fenstertagen
Prof. Christian Niemöller (SMNG Rechtsanwaltsgesellschaft) gibt wichtige Tipps zur aktuellen Baurechtsprechung
Zu sehen sind Jochen Grönegräs und Frank Lange bei ihrem Vortrag auf den Rosenheimer Fenstertagen
Jochen Grönegräs (Bundesverband Flachglas, BF) und Frank Lange (Verband Fenster + Fassade, VFF) berichten über die neuesten politischen Pläne und Gesetzesinitiativen in Berlin (v.l.n.r.) (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Prof. Dr. Alexander Stolz bei seinem Vortrag auf den Rosenheimer Fenstertagen
Prof. Dr. Alexander Stolz (Fraunhofer EMI, Universität Freiburg) zeigt, wie sich die Anpassungsmaßnahmen gegenüber Klimawandelfolgen wirtschaftlich bewerten lassen. (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist Thomas Kirmayr bei seinem Vortrag auf den Rosenheimer Fenstertagen
Thomas Kirmayr (Fraunhofer-Allianz Bau) verrät kompetent und engagiert, was unter einem „digitalen Bauökosystem“ zu verstehen ist (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist die Führungsriege des ift Rosenheim auf der hybriden Jahrespressekonferenz im Dialog mit der Fachpresse vor Ort und online
Die Führungsriege des ift Rosenheim auf der hybriden Jahrespressekonferenz im Dialog mit der Fachpresse vor Ort und online (v.l.n.r. Jürgen Benitz-Wildenburg (Pressesprecher), Dr. Jochen Peichl (CEO), Oskar Anders (Vorstandsvorsitzender), Prof. Dr. Winfried Heus-ler (komm. Institutsleiter) (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen sind Menschen in bayrischer Tracht auf den Festabend der Rosenheimer Fenstertage
Der bayerische Abend mit „Oktoberfestflair“ war wieder ein besonderes Highlight (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen sind in die Kamera lächelnde Menschen in bayrischer Tracht auf den Festabend der Rosenheimer Fenstertage
Der bayerische Abend mit „Oktoberfestflair“ war wieder ein besonderes Highlight (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen sind Marion Lange, Michael Rossa und Frank Stoer beim gemeinsamen Austausch über die Kooperation des ift Rosenheims und der DGNB
Marion Lange (DGNB, Fortbildungskooperationen), Michael Rossa (Leiter ift Akademie) und Frank Stoer (Auditor ift Rosenheim) besprechen, wie die neue Kooperation von ift Rosenheim und DGNB in der Weiterbildung konkret umgesetzt wird (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist ein Empfangsstand
Ein guter Kongresstag beginnt mit einer netten Begrüßung und einer Registrierung ohne Warteschlange (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen sind verschiedenste Säfte und etwas Obst
Die Teilnehmer wurden rund um die Uhr mit leckerem Essen und gesunden Snacks versorgt (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist eine Gruppe an jungen Studenten
Die Studenten der DHBW Mosbach waren fast in Mannstärke angereist, um ihr Wissen durch aktuelle News aus Forschung, Normung und Technik zu erweitern (Quelle: ift Rosenheim)

Nach der Eröffnung durch Dr. Jochen Peichl (Geschäftsführer) und Oskar Anders (Institutsvorstand) sowie den Grußworten des Rosenheimer Oberbürgermeisters Andreas März ging der Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler in seinem Vortrag „Die Welt im Umbruch – Konsequenzen für die Fenster- und Fassadenbranche“ direkt in die Details. Er zeigte, wie vielfältig und umfassend der Wandel ist und wie die veränderten ökologischen, demografischen, geopolitischen und technologischen Randbedingungen sich wechselseitig beeinflussen. Die regulatorischen Regularien des EU Green Deal werden zwar durch das neue „Omnibusverfahren“ etwas abgeschwächt, aber entfalten nach und nach ihre volle Wirkung.

Beispielsweise straft die Finanzbranche die Finanzierung von Immobilien ohne eine Bewertung der Nachhaltigkeit bereits heute mit schlechteren Konditionen ab, und die neue Bauproduktenverordnung wird die Nachhaltigkeit als zentrale Anforderung mit entsprechenden Nachweisen einführen. Die Bedeutung der neun „R“ sind beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft essenziell. Aspekte, die eine längere Nutzung (Repair, Refurbish und Remanufacture) und eine Wiederverwendung (Reuse) fördern, werden „belohnt“ – Recycling und Recover (Verbrennen) werden „bestraft“. Diese Aspekte müssen zukünftig bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden – ansonsten sind konkurrenzfähige Bauprodukte nicht mehr möglich. Serielle und modulare Bauweisen werden die nachhaltige und digitale Transformation mittels Erfassung und Nutzung digitaler Daten sowie mit einer optimierten Automation am besten umsetzen. Das Ergebnis sind eine bessere Qualität und höhere Produktivität. Hinzu kommt, dass die spürbaren Folgen des Klimawandels und damit die Klimaresilienz als strategischer Imperativ betrachtet werden und Bauprodukte deshalb „klimasicher“ werden müssen. Da sich Professor Heusler selbst als „unverbesserlichen Optimisten“ bezeichnet, gab er dem „Ökosystem“ der Fenster- und Fassadenbranche, zu dem Hersteller, Systemgeber und Zulieferbetriebe zählen, strategische und praktische Handlungsempfehlungen, wie die Transformation erfolgreich bewältigt werden kann. Dies kann entweder mit günstigen, standardisierten Produkten oder durch vom Bauherren nachgefragte Differenzierungsmerkmale erfolgen. Er forderte die Branche auf, die Transformation im Sinne einer Evolution zu verstehen. Durch rechtzeitige Anpassungen mit Entwicklung kreislauffähiger Konstruktionen ist ein erfolgreicher Einstieg in eine zirkuläre Baubranche zu schaffen – ansonsten droht eine disruptive Entwicklung, die nur wenige Gewinner, aber viele Verlierer kennt. 

Eine ähnliche Einschätzung vertrat auch Roland Sitzberger (Porsche Consulting) und bekräftigte, wie grundlegend sich die Wertschöpfungsketten im Bau ändern (müssen), um mit einer höheren Produktivität weiterhin am Markt zu bestehen. Er beschrieb, wie steigende Material- und Energiekosten, der Fachkräftemangel, die Wohnungsnot und der Investitionsrückstand die Baubranche zu den notwendigen Änderungen zwingen werden. Die Notwendigkeit einer neuen, kundenzentrierten Wertschöpfungskette wurde anhand von Beispielen für innovative Geschäftsmodelle und den Chancen der Modularisierung und Industrialisierung untermauert. Unternehmen müssen jetzt ihre Prozesse ändern und in digitale Lösungen investieren, um Effizienz und Produktivität zu steigern. Hierfür sollten mittelständische Unternehmen Partnerschaften entwickeln und nutzen.

Im letzten Plenumsvortrag am Mittwochabend mahnte Prof. Dr. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut) in seinem Vortrag “Earth for All – Aufbruch in eine Zukunft für alle“ eindrücklich eine nachhaltigere Wirtschaftsweise an, um die drohenden Schäden des Klimawandels und geschädigter Ökosysteme noch abzuwenden. Dabei wies er auch auf die steigenden Temperaturen und extreme Wetterereignisse in Deutschland hin. Er betonte aber auch, dass die politischen und technischen Lösungen auf dem Tisch liegen und die Fensterbranche bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestands sowie der Umgestaltung zur Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Neben der Begrenzung des Klimawandels müssen auch die planetaren Grenzen (Nutzung von Rohstoffen und Ökosystemen) sowie die sozialen Ungleichheiten beachtet werden, die mit der Transformation verbunden sind. Fischedick schloss mit dem Aufruf, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen und eine nachhaltige Zukunft für alle zu gestalten.

Den Plenumsvortrag am Donnerstagmittag übernahm Prof. Christian Niemöller (SMNG Rechtsanwaltsgesellschaft) mit einem kurzweiligen und kompetenten Update zu relevanten Rechtsfragen und Urteilen. Der erste Teil seines Vortrags befasste sich mit dem „Justizstandort-Stärkungsgesetz“, dass am 1. April 2025 fast unbemerkt in Kraft getreten ist. Ziel des Gesetzes ist eine schnelle und einfache Klärung wirtschaftsrechtlicher Streitigkeiten und das sogar auf Englisch – interessant für internationale Projekte. Hierbei gilt es einige Tücken zu beachten, beispielsweise, dass der Gerichtsstand frei wählbar ist und die Durchführung des Prozesses in englischer Sprache als stillschweigend vereinbart gilt, wenn der Beklagte sich in seiner Klageerwiderung „rügelos“ auf die englische Sprache einlässt. Hinweise mit Praxisrelevanz waren die Erläuterungen aktuellen Urteilen. Bei kaufmännischen Bestätigungsschreiben muss der Empfänger unverzüglich widersprechen, wenn er dessen Inhalt nicht akzeptieren will (BGH, Beschluss vom 07.08.2024: IBR 2025, 3). Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die widerspruchslose Entgegennahme eines Baustellenprotokolls, die ansonsten als Einverständnis mit dessen Inhalt zu werten sei, auch wenn der Vertreter des Empfängers vollmachtlos gehandelt habe, beispielweise ein Bau- bzw. Montageleiter (BGH, Beschluss vom 04.12.2024; IBR 2025, 393). Der beliebte Verweis auf online abrufbare AGB ist nach aktueller Rechtsprechung wegen des Verstoßes gegen das Transparenzgebot unwirksam (BGH, Urteil vom 10.07.2025). Ein weiterer wichtiger Hinweis bezog sich auf die Kündigung eines VOB/B-Vertrags durch den Auftraggeber, wenn die Ausführungsfristen nicht eingehalten werden. Hier wird eine Personalaufstockung mit einer Abhilfefrist von drei (Arbeits-)Tagen als angemessen angesehen (BGH, Beschluss vom 29.01.2025; IBR 2025, 398).

Die zentralen Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung wurden in weiteren Vorträgen konkret behandelt. Im Themenblock „Nachhaltigkeit und Resilienz“ berichtete Norbert Sack (ift) vom laufenden F&E-Projekt, das für die Fenster- und Fassadenbranche Lösungen und Strategien auf dem notwendigen und politisch geforderten Weg zur Kreislaufwirtschaft entwickelt. Prof. Dr. Martin Teich (Hochschule München) informierte in gleicher Weise zum nachhaltigeren Umgang mit Flachglas (MIG). Am Beispiel der Wieder- und Weiterverwendung von Flachglas aus Bestandsgebäuden, zeigte er, was sich ganz konkret hinter den Begriffen „ReUse, ReFurbish und ReManufacture“ verbirgt. Prof. Dr. Alexander Stolz (Fraunhofer EMI, Universität Freiburg) ergänzte am Beispiel von Hochwasserschänden, wie sich über eine Software die Wirtschaftlichkeit von klimasicheren Bauprodukten ermitteln und gegenüber Bauherren und Investoren besser darstellen lässt. Für die Anpassung der Daten auf deutsche Bauverhältnisse sind weitere Arbeiten notwendig.

Der Themenblock „Digitalisierung in der Baubranche“ analysierte das wichtige Feld der Digitalisierung, das die Planer, Bauherren und Hersteller vor große Herausforderungen stellt. Thomas Kirmayr (Fraunhofer-Allianz Bau) erläuterte, wie ein digitales „Bauökosystem“ entwickelt und die Daten strukturiert werden müssen. Er mahnte jedoch nicht bereits jetzt „wild“ Daten zu sammeln, sondern die Entwicklung der notwendigen Datenstrukturen abzuwarten. Denn ohne klare Vorgaben für eine einheitliche Struktur der benötigten Daten werden die Interoperabilität (reibungsloser Datenaustausch) zwischen verschiedenen Akteuren der Branche sowie die digitale Transformation nicht möglich sein. Kirmayr stellte nachfolgend vor, wie das digitale „Bauökosystem“ im Rahmen verschiedener F+E-Projekte entwickelt wird (GAIA-X, Construct-X & Co.). Notwendig sind jedoch klare Vorgabe durch Normen und Gesetze, eine Standardisierung der Prozesse, eine zentrale Speicherung und Aktualisierung der originalen Daten (z.B. Produkteigenschaften) anstatt vieler Kopien an unterschiedlichen Stellen sowie eine Qualifizierung aller Beteiligten. Hierfür müssen kleine und mittlere Unternehmen besonders gefördert werden, um die erforderlichen digitalen Kompetenzen zu entwickeln. Betriebe der Bauwirtschaft sollten dann die digitalen Daten und Tools aktiv nutzen, um effizienter und nachhaltiger zu werden.

In ähnlicher Weise argumentierte Michael Breckl-Stock (ift Rosenheim), der einen ersten Ausblick auf den „Digitalen Produktpass“ (DPP) ermöglichte, der im Kapitel x der Bauproduktenverordnung beschrieben wird. Die produktbezogenen Kenndaten müssen in maschinenlesbarer, interoperabler Form aufbereitet werden – also mehr als eine PDF-Datei sein. Die geschätzten 300 Daten basieren auf der Leistungs- und Konformitätsklärung, Produktinformationen, Sicherheitshinweisen und technischen Dokumentationen (Wartung, Montage etc.) sowie auf relevanten Daten aus anderen EU-Verordnungen (z.B. der EU-Chemikalienverordnung „REACH“). Die Daten sollen mind. 25 Jahre für alle Baubeteiligten, Bauherren und Investoren verfügbar und müssen mit dem Produkt verbunden sein (z.B. mittels QR-Codes). Die EU-Kommission will 2027 in einem „delegierten Rechtsakt“ die Details festlegen und nachfolgend eine zentrale Datenbank aufbauen. Berichte über bereits verfügbare DPP sind deshalb falsch und beziehen sich meistens auf DPP nach den Vorgaben der bereits eingeführten Ökodesignverordnung, die aber nicht für Bauprodukte gültig ist. Das ift Rosenheim ist in die Entwicklungsprozesse eingebunden und wird dafür Sorge tragen, dass der Aufwand für die ift-Kunden so gering wie möglich sein wird.

Der Themenblock „Bauproduktenverordnung und Markt“ zeigte deutlich, dass auch die neuen Regeln (BauPVO), Normen, Gesetze und Förderpakete neue Anforderungen zur Nachhaltigkeit bringen werden. Prof. Jörn P. Lass (ift Rosenheim) stellte die wesentlichen Änderungen der neuen Bauproduktenverordnung (BauPVO) vor, die am 7. Januar 2025 in Kraft getreten ist und die Förderung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Bauwesen verbessern soll. Neben den bisherigen sieben Anforderungen kommt die Nachhaltigkeit als achte hinzu. Kritische Änderungen ergeben sich auch bei der Konformitätsbewertung (AVCP-System 3), bei der die Leistungs- und Konformitätserklärung zusammengefasst und die Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus erfasst werden sollen. Die konkreten Details für die Umsetzung werden dann in den jeweiligen Produktnormen geregelt. Als vorrangig werden die Normen für Innen- und Außentüren, Fenster, Tore, Markisen und Sonnenschutzsysteme behandelt. Glas und Fassaden werden zurzeit noch als nachrangig gesehen, sollen aber im Rahmen des „Fast Track“-Verfahrens zeitgleich mit den o.g. Normen erstellt werden. Für Fenster und Außentüren sollen die Anforderungen der EN 16034 (Feuer- und Rauchschutz) und EN 16361 (kraftbetätigte Türen) integriert werden. Das ift Rosenheim wird sich für die Beibehaltung bewährter Regelungen einsetzen, beispielsweise für technische Nachweise für Produktfamilien, anstatt der vorgesehenen Deklaration für jedes einzelne Bauelement.

Die „News aus Berlin“ von Frank Lange (Verband Fenster + Fassade, VFF) und Jochen Grönegräs (Bundesverband Flachglas, BF) wurden wieder mit Spannung erwartet, denn die Regeln und Fördertöpfe für Neubau und Sanierung beeinflussen maßgeblich die Geschäftsaussichten der Unternehmen. Die Marktanalyse der beiden Verbände zeigte deutlich, dass der Sanierungsmarkt mit ca. 68 % den größten Marktanteil hat und relativ stabil geblieben ist. Der Neubaumarkt ist hingegen deutlich eingebrochen. Mit einem Aufschwung wird erst für 2026 gerechnet, wenn die bisher beschlossenen Förderungen greifen (Details immer aktuell unter https://fenster-koennen-mehr.de/foerdermittel-assistent ). Wichtig ist es, langfristig genügend Mittel einzuplanen, um eine verlässliche Förderung sicher zu stellen. Die aktuelle Prognos-Studie „Wirkungsabschätzung für Politikinstrumente zur energetischen Gebäudesanierung und zum Neubau“ zeigt sehr deutlich mögliche positive Effekte für eine Belebung des Wohnbaumarkts, die Aktivierung privater Investitionen, die notwendige Senkung der THG-Emissionen sowie die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum – und dies sogar mit Steuermehreinnahmen! Für die Sanierung im Bestand wurde die Verbesserung der BEG-Förderung, die steuerliche Absetzbarkeit (insbesondere bei geerbten Immobilien) und eine Sonder-AfA für Worst Performing Buildings (WPB) untersucht. Für den Neubau wurden die Effekte für die Förderung genehmigter EH55-Gebäude, Nachrangkredite mit Förderzins und die Absenkung der Grunderwerbsteuer für selbstnutzende Eigentümer analysiert. Mit diesen sehr guten Argumenten werden die Verbände nun bei den politischen Entscheidungsträgern intensiv eine Verbesserung der Förderprogramme einfordern.

Daneben gab es auch wertvolle Informationen aus der Praxis. Im Themenblock „Fassade und Architektur“ wurde das spannende Fassadenprojekt des Neubaus des „Translational Science Center (TSC)“ vorgestellt, welches der Pharma-Konzern Merck für 500 Mitarbeiter als integriertes, flexibel nutzbares und „grünes" Laborgebäude konzipiert hat und nun errichtet. Herausfordernd war die Integration in den Bestand, die Optimierung von „Wissensarbeit“ durch eine optimale bauliche Unterstützung von Arbeitsabläufen und modernen Formen der Zusammenarbeit sowie die nachhaltige Energieversorgung mittels Photovoltaik und Geothermie. Dana Bilek (Hammeskrause Architekten) erlaubte einen interessanten Einblick in das architektonische Konzept und die Simulationen zur Optimierung der Gebäudeparameter mittels DIVA und Grasshopper. Martin Drexler (Schindler Fenster+Fassaden) beschrieb die praktischen Herausforderungen eines Fassadenbauers bei der Herstellung von 7200 m² Holz-Alu Elementfassade mit ca. 50 % Öffnungsflächen. Er zeigte, wie sich die ambitionierte Architektur fach-/normgerecht und wirtschaftlich realisieren lässt. Ergänzt wurde dies durch Heribert Ley (SUNOVATION), der die Anforderungen der vorgesetzten Photovoltaikelemente erläuterte. 

Der Vortrag von Tal Rabinovitch (Shellcon, Aluminium Construction Group) im Themenblock „International“ bot einen spannenden Einblick in die kreative Nutzung von Bambus als Fassadenwerkstoff. Hubert Lagier (CSTB) präsentierte echte Insiderinfos zum schwierigen französischen Markt. Er ging auf Details zu den erforderlichen Prüfungen und Zertifizierungen ein und zeigte auf, wie diese von deutschen und europäischen Vorgaben abweichen. 

Der Themenblock „ift Praxis“ widmet sich den ganz praktischen Fragen. Felix Fischbacher (ift Rosenheim)ging detailliert auf häufige und kostspielige Fehlerquellen bei der Fenstermontage ein und erläuterte, wie sich diese durch eine professionelle Planung und Ausführung vermeiden lassen. Hierzu stellte er eine Vielzahl typischer Mängel sowie die passende Lösung vor. Bernd Saß (ift Rosenheim) stellt die Ergebnisse eines aktuellen F&E-Projekts vor, das die schalltechnische Bewertung kritischer Einbausituationen von Fenstern erleichtern kann.

Am Donnerstagnachmittag gab es die Möglichkeit einen Einblick in den laufenden Betrieb des ift-Technologiezentrums, des ift-Labors Bauakustik + Fassaden „Am Oberfeld“ und des Zentralbors in Rosenheim zu erhalten.

Damit waren die Rosenheimer Fenstertage für Hersteller, Systemgeber und Zulieferer ein unverzichtbarer Impulsgeber für die strategische Ausrichtung und die operative Optimierung des eigenen Unternehmens. Neben den Vorträgen gab es auch genügend Zeit für den Austausch untereinander und mit den ift-Expertinnen und -Experten. Ein traditionelles Highlight war natürlich der beliebte bayerische Festabend mit der diesjährigen Mottoparty „Bella Italia“ am späten Mittwochabend.

Wer Interessen an den Vortragsfolien hat, kann sich per E-Mail melden (marketingspam prevention@ift-rosenheim.de)

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Jürgen Benitz-Wildenburg

Leiter PR & technische Kommunikation

Das ift Rosenheim ist der Vermittlung des erworbenen Wissens an Bauschaffende, Planer und interessierte Bauherren verpflichtet, die sich mit Fenstern, Fassaden, Glas, Türen, Toren und Baustoffen beschäftigen. 

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