Neue EN 16035:2023

Hardware Performance Sheet (HPS) wird zum eigenständigen Nachweis

Lesezeit: 4 Minuten

Im Bereich der Baubeschläge hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert: Es gab nur wenige harmonisierte Produktnormen für eine CE-Kennzeichnung, für andere Beschläge musste man ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) vorweisen. Neue Pro-duktnormen oder Revisionen der bestehenden Produktnormen wurden nicht in das Europä-ische System aufgenommen.

Tür bei Brandschutzprüfung
Bild 1: Baubeschläge wie z.B. Schlösser oder Türschließer können einen Einfluss auf die Klassifizierung von Feuer- und Rauchschutzabschlüssen haben (Quelle: ift Rosenheim)

Doch in letzter Zeit kam Bewegung in den Bereich. So wurden allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnisse (abP) durch allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) ersetzt, auch für mechatronische Beschläge benötigt man eine abZ, es sei denn, das Produkt fällt unter die CE-Kennzeichnung. Trotzdem herrscht oftmals Unsicherheit, welche Anforderungen zu erfüllen sind, um Baubeschläge für Außentüren und Fenster mit CE-Kennzeichnung nach EN 16034 und EN 14351-1 in Verkehr bringen zu dürfen.

Gerade in diesem Bereich ist es für die Hersteller von Feuer- und Rauchschutzabschlüssen besonders wichtig, nicht alles selbst prüftechnisch nachweisen zu müssen. Es ist weiterhin so, dass – egal ob national oder europäisch – der Austausch anhand der Kennwerte des Baubeschlags erfolgt. Hier kommt die neue EN 16035:2023 ins Spiel, die das Hardware Performance Sheet – Leistungsdatenblatt für Baubeschläge (HPS) – als eigenständigen Nachweis aufwertet und eine praktikable Möglichkeit für den Austausch von Baubeschlägen bietet. 

Für Türen mit CE-Kennzeichnung können die entsprechenden EXAP-Normen EN 15269-xx und EN 17020-xx herangezogen werden und der Vergleich der Kennwerte muss durch eine notifizierte Stelle erfolgen. 

 

Grundgedanke eines HPS (Hardware Performance Sheet)

Eine Möglichkeit, die Eignung eines Baubeschlages für Feuerwiderstand, Rauchschutz und die Dauerhaftigkeit der Selbstschließung nachzuweisen, ist nun mit der überarbeiteten Norm EN 16035:2023 für HPS (Hardware Performance Sheet – Leistungsdatenblatt) möglich. Der Grundgedanke ist dabei gleich gebelieben: Ein HPS ist eine Auflistung von Kennwerten und Prüfergebenissen für CE-kennzeichnungsfähige Baubeschläge. Diese Auflistung enthält dabei die Kennwerte, die für einen Austausch von Baubeschlägen notwendig sind und kann mehrere Leistungseigenschaften wie Feuerwiderstand, Rauchschutz und die Dauerhaftigkeit der Selbstschließung beinhalten. 

Die Grafik zeigt 13 verschiedene Prüfberichte für ein HPS. Nähere Informationen zur Darstellung erhalten Sie auf Anfrage unter +49 8031 261-2150.
Bild 2: Mögliche Prüfberichte für ein HPS (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist ein Beispiel für einen Leistungsbeschreibung von Baubeschlägen. Nähere Informationen zur Darstellung erhalten Sie auf Anfrage unter +49 8031 261-2150.
Bild 3: Beispiel für die Klassifizierung
von Baubeschlägen im HPS gemäß EN 16035 durch eine notifizierte Stelle
(Quelle: ift Rosenheim)

Was ist unverändert und was ist neu?

In der aktualisierten Norm EN 16035:2023 hat sich in Bezug auf die Wertigkeit und Wichtigkeit des HPS im Vergleich zur Vorgängerversion etwas Entscheidendes geändert: Ein HPS kann nun auch von einer notifizierten Stelle erstellt oder inhaltlich bestätigt werden. Es wird damit zu einem von einem unabhängigen Dritten überprüften Dokument. Wichtig ist hier, dass der Baubeschlag eine Klassifizierung nach einer zutreffenden EN-Produktnorm oder einem EAD (European Assessment Document – Europäisches Bewertungsdokument) hat. Diese Klassifizierung und die entsprechenden Grundlagen sind ebenfalls im Dokument darzustellen. 

Das Dokument kann dann in Verbindung mit den EXAP-Normen für CE-kennzeichnungs-pflichtige Türen und Fenster zum Austausch von Baubeschlägen herangezogen werden. Dabei müssen nicht wie bisher die kompletten Prüfberichte an Türenhersteller weitergegeben werden, sondern das von einer notifizierten Stelle erstellte HPS kann direkt als Nachweis für den Beschlag bzw. die Beschlagsfamilie herangezogen werden. Entscheidend ist hierbei, dass mit Unterschrift des Erstellers klar ersichtlich ist, dass das Dokument durch eine notifizierte Stelle erstellt oder freigegeben wurde und alle Details, wie in EN 16035:2023 gefordert, eingehalten werden. 

Zu sehen ist ein Beispiel für ein HPS einer notifizierten Stelle.Nähere Informationen zur Darstellung erhalten Sie auf Anfrage unter +49 8031 261-2150.
Bild 4: Beispiel für ein HPS einer notifizierten Stelle (Quelle: ift Rosenheim)
Zu sehen ist ein Beispiel für Bezug zu den EXAP-Normen im HPS. Nähere Informationen zur Darstellung erhalten Sie auf Anfrage unter +49 8031 261-2150.
Bild 5: Beispiel für Bezug zu den EXAP-Normen im HPS gemäß EN 16035 durch eine notifizierte Stelle (Quelle: ift Rosenheim)

Hierfür wurden in der Norm wichtige Details zum Baubeschlag und zu den Prüfberichten ergänzt. Aus den verwendeten Prüfnachweisen sind nun deutlich mehr Angaben als bisher nötig: So sind z.B. auch die thermische Trennung, dämmschichtbildende Baustoffe, Dichtung, Beschlagsbefestigung, Beobachtungen bei der Prüfung sowie einige weitere Details im HPS anzugeben. Einige Angaben wie z.B. Abmessungen, Gewicht und Werkstoff der Türe sind gleichgeblieben. Anders als in nationalen Zulassungen können in einem HPS auch Brandprüfungen nach EN 1634-2 (Kleinbrand) zur Beurteilung herangezogen werden. 

Auch eine deutlichere Abgrenzung der Leistungseigenschaften in Bezug auf die notwendigen Details aus den Prüfberichten ist in der neuen Version deutlich zu erkennen, was auch die Aufnahme der Normenreihe EN 17020-xx zur Folge hat.

Die Wertigkeit des HPS einer notifizierten Stelle wird auch in den neueren EXAP-Normen wie z.B. in der EN 17020-5:2023 im Punkt C unterstrichen. Hier ist die EN 16035:2023 für den Austausch von Beschlägen benannt. Somit ist auch im HPS ein Bezug zu den jeweiligen EXAP-Normen herzustellen. 

 

Fazit

Ein durch eine notifizierte Stelle erstelltes Hardware Performance Sheet (HPS) bietet eine Reihe von Vorteilen. Besonders hervorzuheben ist, dass:

  • ein von einer notifizierten Stelle erstelltes HPS zum Austausch von Beschlägen in EXAP-Berichten herangezogen werden kann. Dabei wird die vom Hersteller definierte Beschlagsfamilie übersichtlich dargestellt,

  • in den neueren EXAP-Normen bereits heute auf die EN 16035:2023 für den Austausch von Beschlägen verwiesen wird,

  • bei ift-zertifizierten Beschlagsherstellern im Rahmen der CE-Kennzeichnung im Regelfall bereits ausreichende Informationen für die Erstellung eines HPS vorliegen.

Die notifizierte Produktzertifizierungsstelle des ift Rosenheim unterstützt sowohl die Hersteller von Türen und Fenstern als auch von Baubeschlägen bei der Zusammenstellung der für die Austauschbarkeit von Beschlägen wichtigen Daten. Dies trägt dazu bei, den gesamten Prozess transparenter und effizienter zu gestalten, so dass die relevanten Nachweise problemlos erbracht werden können.

Auf dem ift-Brandschutzforum im Juni 2025 in Nürnberg berichtet Jürgen Meinhardt, Convenor des Normenausschusses TC33/WG4/TG9, ausführlich in seinem Vortrag „Die neue EN 16035, mehr als ein Datenblatt! Die Vorteile des neuen HPS“ über alle wissenswerten Details der Leistungsbeschreibung.

Literatur

  1. EN 16035:2023
    Leistungsdatenblatt für Baubeschläge (HPS) – Identifizierung und Zusammenfassung
    der Prüfnachweise zur Unterstützung der Austauschbarkeit von Baubeschlägen für die Anwendung
    an feuerwiderstandsfähigen und/oder rauchdichten Toren, Türen und/oder zu öffnenden Fenstern.
    DIN Media GmbH, Berlin
Portraitbild Andreas Grass

Andreas Grass

ift Rosenheim

Andreas Grass ist seit 2015 im Bereich Brandschutz als Mitarbeiter am ift Rosenheim tätig. Als gelernter Schreiner und Schreinermeister ist er seit über 20 Jahren in der Holzbranche tätig. Seit 2017 ist er in der NPZ als Projektingenieur für den Bereich Brandschutz schwerpunktmäßig von Holzsystemen verantwortlich. Hier erstellt er Probekörperplanungen und zusammenfassende Dokumente. Darüber hinaus ist er als Key-Account-Manager und Referent für das ift Rosenheim tätig.

Lösungen aus diesem Themenbereich

Artikel aus diesem Themenbereich