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Seit der Eröffnung des ift-Technologiezentrums im Juni 2016 wurde der Standort stetig weiterentwickelt. Derzeit können Feuerwiderstandsprüfungen im Bereich Brandschutz Bauteile auf fünf verschiedenen Brandöfen durchgeführt werden.
Dafür stehen zwei vertikale Prüfstände mit 5 m x 5 m und 8 m x 5 m sowie ein Adapterrahmen von 3 m x 3 m zur Verfügung. Für diese Öfen existiert ein Belastungsrahmen mit einer möglichen Prüflast von bis zu 42 t für tragende, feuerwiderstandsfähige Wände. Weiterhin gibt es einen Kombi-Ofen mit einer vertikalen Öffnung von 4 m x 2,5 (3) m sowie einer horizontalen Öffnung von 4 m x 5 m. Auf diesem Ofen können horizontale Probekörper unter Aufbringung einer Last (hydraulisch gesteuerte Last oder Totlast) geprüft werden.
Ein Kleinprüfstand mit 1,5 m x 1,5 m für vertikale sowie 1,5 m x 2 m für horizontale Prüfungen und ein Stützenprüfstand 3 m x 3 m x 3m mit einer hydraulischen Last bis zu 500 t runden das Angebot der Prüfstände ab. Weiterhin stehen außerdem noch Prüfstände für die Prüfung weiterer Leistungseigenschaften wie die Prüfung der Rauchdichtheit (3 m x 3 m und 5 m x 5 m) nach DIN 18095-1 /-2[1], [2] bzw. DIN EN 1634-3[3] sowie die Prüfung der selbstschließenden Eigenschaften nach DIN 4102-18[4] bzw. DIN EN 1191[5] zur Verfügung. Dies ermöglicht eine Vielzahl an unterschiedlichen Prüfmöglichkeiten und Probekörperaufbauten, um auch die speziellsten Anforderungen zielgerichtet abzudecken. Dabei werden vor allem in letzter Zeit verstärkt Sonderaufbauten – meist bauvorhabenbezogen – nachgewiesen, bei denen eine gute Vorbereitung und Planung gemeinsam mit dem Hersteller für eine erfolgreiche Nachweisführung Voraussetzung ist. Im Folgenden werden ein einige „Highlights aus“ dem Prüfalltag des ift-Technologiezentrums vorgestellt.
Fassadenausführungen für das Bauvorhaben „The Circle Zürich Airport“
Durch die ungewöhnliche Gebäudekonstruktion – der Flughafen hat nicht nur „The Circle“ im Namen – ergaben sich Fassadenbereiche mit einer Neigung von 19° als gerade und als Eckausführung, an die Anforderungen an den Brandschutz gestellt wurden. Weiterhin stellten die zu beachtenden, unterschiedlichsten Varianten (beispielsweise der Einbau von Lüftungsgittern und die Verwendung von unterschiedlichen Glasaufbauten sowie Paneelen) bei der Ausarbeitung eines Prüfkonzepts eine weitere Herausforderung dar.
Die Probekörperplanung erfolgte dabei in enger Abstimmung mit dem Hersteller sowie der zuständigen Feuerpolizei. Bei der Vorbereitung und Umsetzung der dafür notwendigen Brandversuche standen dann auch die Kolleginnen und Kollegen des ift-Prüflabors sowie aus der Abteilung Betrieb und Technik (ABT) des ift Rosenheim stets in enger Abstimmung miteinander und mit dem Auftraggeber. Dies ermöglichte einen reibungslosen Ablauf der geplanten Prüfungen, beispielsweise nach DIN EN 1364-3[6] als vorgehängte Fassadenvariante und nach DIN EN 1364-1[7] als eingestellte Variante, (jeweils mit der geforderten Neigung von 19°) für eine Prüfdauer von 30 Minuten, die erfolgreich durchgeführt werden konnten.
Nachweis der Brand- und Rauchschutzanforderungen von Pivot-Türen durch Prüfung für die Erweiterung des Bauvorhabens „The Circle Zürich Airport“
Der Innenbereich des Flughafens sollte natürlich dem Außenbereich in nichts nachstehen, daher sah der Architektenentwurf für den Abschnitt „Retailfronten“ der innenliegenden Passagierflächen des Flughafens eine bogenförmige Fassade aus 340 aneinandergereihten Pivot-Türen teils mit zwischenliegenden verglasten Fixteilen vor, die facettiert (zick-zack-förmig) die Geschäftsbereiche abgrenzen sollten und den Verlauf der Flure damit vorgeben.
Nachdem zu den vorgesehenen Ausführungen zu diesem Zeitpunkt keine Bauteile verfügbar waren, mussten sie eigens für das Bauvorhaben entwickelt werden, um den geforderten Leistungseigenschaften gerecht zu werden. Auch hier wurde der Prüfaufbau zunächst mit allen Beteiligten eng abgestimmt, wobei letztlich das geplante repräsentative Element mit zwei aneinandergereihten Flügel in den maximalen Abmessungen, seitlich angeordneten Seitenteilen und mit bezogen auf den Grundriss facettierter Anordnung, eine zusätzliche Herausforderung hinsichtlich des Einbaus im ift-Technologiezentrum darstellte.
des ift-Brandschutzzentrums (Quelle: ift Rosenheim)
Der passgenau gefertigte Betonrahmen für den Einbau der Türen wurde direkt vor den 8 m x 5 m Ofen gestellt, so dass die Prüfung zum Feuerwiderstand nach DIN EN 1634-1[8] am Probekörper mit Gesamtabmessungen von 4798 mm x 2960 mm (damit entsprechend mit dem Bauvorhaben abgestimmt) durchgeführt werden konnten. Die Rahmen für die Prüfungen zu den selbstschließenden Eigenschaften nach DIN EN 1191[5] und zur Rauchdichtheit nach DIN EN 1634-3[3] wurden dagegen als mobile Rahmen bei gleicher Probekörperausführung konzipiert. Die Prüfungen wurden erfolgreich absolviert und auch mit Ergebnissen, die weitere Prüfungen mit abweichenden Details, die sich aus dem Bauvorhaben ergaben, überflüssig machten.
Prüfung von Holzbalkenverbindern unter Last auf Feuerwiderstand für die Erteilung einer Europäisch Technischen Zulassung (ETA)
Konstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen werden in der Baubranche immer gefragter, und so ist es nicht verwunderlich, dass dies auch Auswirkungen auf den Brandschutz hat. In enger Zusammenarbeit wurden deshalb mit der Universität Innsbruck im Jahr 2020 Holzbalkenverbinder unter Last auf Feuerwiderstand geprüft. Der Prüfaufbau wurde vorher seitens der Universität Innsbruck mit dem erteilenden EOTA-Institut (Europäische Organisation für Technische Bewertung) in Dänemark abgesprochen. Die geplante Prüfung erfolgte gemäß DIN EN 1365-2[9] an einer Holzbalkendecke, wobei die nachzuweisenden Holzbalkenverbinder mit unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten sowie an verschieden großen Holzbalken zum Einsatz kamen.
Die gesamte Prüfkonstruktion wurde im ift Rosenheim angeliefert und auf dem Ofen horizontal montiert. Durch die geschickte Anordnung der nachzuweisenden Bauteile und der einzuleitenden Lasten konnten in einem Versuch mehrere Verbinder mit unterschiedlichen Befestigungen an Holzbalken mit verschiedenen Dimensionen erfolgreich nachgewiesen werden.
Zur Bestimmung der Abbrandrate der Holzbalken wurde die gesamte Prüfkonstruktion gleich im Anschluss an die Beflammung vom Ofen gehoben und abgelöscht. Dafür hat das ift Rosenheim im Vorfeld bereits das Szenario gemeinsam mit seinem Brandschutzbeauftragten sowie Fachleuten der Feuerwehr der Stadt Rosenheim besprochen und im Detail festgelegt. Ein Löschtrupp der Feuerwehr der Stadt Rosenheim war mit einem Fahrzeug während der Prüfung anwesend, um das brennende Element danach schnell und fachmännisch abzulöschen. Anschließend überwachten Mitarbeiter des ift Rosenheim in einer Brandwache über Nacht das Element, um ein mögliches Wiederaufflammen zu verhindern.
Prüfung von Holzbalkenverbindern unter Last
Da die Anforderungen im mehrgeschossigen Holzbau stetig wachsen, wurden ähnliche Prüfungen in 2024 mit der Fa. Wiehag im ift Rosenheim durchgeführt. Eine dreiteilige Prüfserie, bestehend aus jeweils einer Holzbalkenkonstruktion mit einem Haupt- und sechs Nebenträgern, wurde unter Aufbringung von Last Feuerwiderstandsprüfungen über 30, 60 und 120 Minuten in Anlehnung an die DIN EN 1365-3[10] in Verbindung mit der DIN EN 1363-1[11] ausgesetzt.
In enger Rücksprache mit dem Hersteller wurde eine Planung erarbeitet, die eine Montage der gesamten Prüfkonstruktion an nur einem Tag auf dem Kombi-Ofen im ift-Technologiezentrum erforderlich machte. Der Fokus bei den Prüfungen lag auf den Verbindern. Der größte Verbinder wurde während der Prüfungen mit 190 kN Last nachgewiesen. Das Ziel der Prüfungen war, die Berechenbarkeit des Balkenanschlusses durch die Brandversuche nachzuweisen.
(Quelle: Lamilux Heinrich Strunz GmbH und ift Rosenheim)
Feuerwiderstandsprüfung nach DIN EN 1365-2[9] an einem 45° Glas-Satteldach
Das ift Rosenheim hat kürzlich für einen führenden Hersteller von Dachverglasungen (Lamilux Heinrich Strunz GmbH) eine nicht alltägliche Prüfung durchgeführt, und zwar eine Feuerwiderstandsprüfung über 30 Minuten an einem 45° Glas-Satteldach. Dazu wurde die 45°-Dachkonstruktion des Herstellers im Technologiezentrum auf Holzbalken aufgebaut.
Sie wurde danach auf den Kombi-Ofen gebracht und vor Ort gemeinsam von Experten des ift Rosenheim durch den Hersteller sowie den Glaslieferanten eingeglast. Anschließend wurden die Messstellen an- und die Last aufgebracht. Die besondere Herausforderung bestand darin, auf die 45° Dachneigung die Belastung in Form von Totlasten 0,5 kN/m² auf den Dachschrägen aufzubringen.
(Quelle: Lamilux Heinrich Strunz GmbH und ift Rosenheim)
Bauvorhaben „Oxforth North“
Für das Bauvorhaben „Oxforth North“ wurde im ift-Technologiezentrum Rosenheim eine vorgehängte Fassade, bestehend aus einer Stahlkonstruktion mit Sandwichpaneelen, innen mit Gipskartonplatten und außen mit keramischen Fliesen verkleidet, mit eingebauten Verglasungen und eingebautem Feuerschutzabschluss, montiert auf einem Betonrahmen gemäß DIN EN 1364-3[6] (i → o) in Verbindung mit der DIN EN 1363-1[11] über 60 Minuten auf Feuerwiderstand geprüft.
Fazit
Der Alltag im Brandschutz ist und entwickelt sich weiterhin spannend. Die Vielfalt an denkbaren baulichen Ausführungen erweitert sich kontinuierlich, die normativen Rahmenbedingungen können dabei kaum Schritt halten. Dennoch sollen aber weiterhin die Anforderungen an den Brandschutz eingehalten werden – nicht zuletzt, weil davon auch Leben abhängen können. Dies erfordert eine individuelle Betrachtung der Anforderungen des Produktes und eine frühzeitige Abstimmung aller Beteiligten zu Sonderlösungen ist wichtig und lohnenswert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ift Technologiezentrums für Anfragen rund um Prüfungen, aber auch für individuelle Planungen selbstverständlich gern zur Verfügung.
Literatur
- DIN 18095-1:1988-10
Türen; Rauchschutztüren; Begriffe und Anforderungen
DIN Media GmbH - DIN 18095-2:1991-03
Türen; Rauchschutztüren; Bauartprüfung der Dauerfunktionstüchtigkeit und Dichtheit
DIN Media GmbH - DIN EN 1634-3:2004-10
Feuerwiderstandsprüfungen für Tür- und Abschlusseinrichtungen – Teil 3: Rauchschutzabschlüsse
und
DIN EN 1634-3 Berichtigung 1:2009-09
Feuerwiderstandsprüfungen für Tür- und Abschlusseinrichtungen– Teil 3: Rauchschutzabschlüsse
DIN Media GmbH - DIN 4102-18:1991-03
Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Feuerschutzabschlüsse; Nachweis der Eigenschaft "selbstschließend" (Dauerfunktionsprüfung)
DIN Media GmbH - DIN EN 1191:2013-04
Fenster und Türen - Dauerfunktionsprüfung - Prüfverfahren
DIN Media GmbH - DIN EN 1364-3:2014-05
Feuerwiderstandsprüfungen für nichttragende Bauteile – Teil 3: Vorhangfassaden - Gesamtausführung
DIN Media GmbH - DIN EN 1364-1:2015-09
Feuerwiderstandsprüfungen für nichttragende Bauteile – Teil 1: Wände
DIN Media GmbH - DIN EN 1634-1:2018-04
Feuerwiderstandsprüfungen und Rauchschutzprüfungen für Türen, Tore, Abschlüsse, Fenster und Baubeschläge - Teil 1: Feuerwiderstandsprüfungen für Türen, Tore, Abschlüsse und Fenster
DIN Media GmbH - DIN EN 1365-2:2015-02
Feuerwiderstandsprüfungen für tragende Bauteile – Teil 2: Decken und Dächer
Beuth Verlag GmbH - DIN EN 1365-3:2000-02
Feuerwiderstandsprüfungen für tragende Bauteile – Teil 3: Balken
DIN Media GmbH - DIN EN 1363-1:2020-05
Feuerwiderstandsprüfungen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen
DIN Media GmbH