Forschungsprojekt - Schalllängsleitung bei Außen- und Innenwänden im Mehrgeschoß-Holzbau

 


Ausgangssituation

Die Schalldämmung zwischen zwei Räumen hängt nicht nur von der unmittelbaren Übertragung über das trennende Bauteil ab, sondern auch von der Schalllängsleitung über Nebenwege oder flankierende Bauteile. Die Grundlagen zur Berechnung und Messung der sogenannten Transmissionsdämmung sind hinreichend bekannt, zumindest für homogene, massive Bauteile. Dagegen zeigt die Diskussion über den Einfluss der Längsschalldämmung auf die Gesamtschalldämmung zwischen zwei Räumen, insbesondere bei leichten Außen- und Innenwänden und Fassaden, dass vieles noch der experimentellen und theoretischen Klärung bedarf. Dies gilt insbesondere auch für die Betrachtung der Schallausbreitung im mehrgeschossigen Holzbau, d. h. für neben- oder übereinanderliegende Wohnungen, für die die Mindestanforderungen nach DIN 4109 gültig sind. Je nach Art der Anschlüsse des Trennelementes an die flankierenden Bauteile und je nach Aufbau dieser flankierenden Elemente kann der Beitrag der Längsschallübertragung für den gesamten Schallschutz zwischen zwei Räumen erheblich sein.

Die bisherigen Untersuchungen zur Schalldämmung und vor allem zur Längsschalldämmung von Außen- und Innenwänden sowie Decken in Holzbauweise gehen auf Arbeiten von Prof. Gösele für die Holzhausindustrie, die EGH und den Normenausschuss zu DIN 4109 vor etwa 20 Jahren zurück.

In der Praxis – auch bei Holzbauten – setzt sich das resultierende Schalldämm- Maß R'w zwischen zwei Räumen aus der energetischen Summe der direkten Schalldämm-Maße und aller an der Übertragung beteiligter Flankendämm- Maße unter Berücksichtigung der Anschlüsse zusammen. Die zukünftige europäische Normung schreibt für die Berechnung der Schalldämmung die rechnerische Berücksichtigung der Längsschalldämm-Maße einschließlich der Knoten- oder Stoßstellendämm-Maße vor.

Man kann also bei Kenntnis der bewerteten Schalldämm-Maße aus dem Prüfstand ohne Schallnebenwege, den Längsschalldämm-Maßen aus dem Längsleitungsprüfstand und den Stoßstellen- oder Anschlussdämm-Maßen die zu erwartende resultierende Schalldämmung zwischen zwei Räumen am ausgeführten Bau berechnen, für die nach DIN 4109 bauaufsichtlich geschuldete Anforderungen zu erfüllen sind. Nach der neuen Konzeption des Beiblattes 1 zu DIN 4109 sind diese Größen entscheidend für den Schallschutznachweis.

Im Holzbau fehlen für diesen rechnerischen Nachweis die Daten sowohl der reinen Längsschalldämm-Maße als auch der Stoßstellendämm-Maße. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können weder die revidierten deutschen noch die europäischen Normen für den Holzbau in die Praxis umgesetzt werden.

Die Anwendbarkeit und die Gültigkeit der Körperschallmesstechnik im Stoßstellenbereich Trennwand / Flankenwand ist auch Gegenstand dieses Forschungsvorhabens. Insbesondere ist zu prüfen, ob das Stoßstellendämm - Maß Kij, das in Abhängigkeit von der Schnellepegeldifferenz an einer Stoßstelle in beiden Richtungen unter, sofern erforderlich, Berücksichtigung der Körperschallnachhallzeit der beteiligten Bauteile definiert ist, bei Holzbauteilen analog zum Massivbau zu beschreiben ist. Im Vorfeld wurden am ift grundlegende Untersuchungen zur Bestimmung der Stoßstellendämmung von Fassaden und im Holzbau durchgeführt.

Diese Untersuchungen bilden, zusammen mit dem durchgeführten Literaturstudium zum Thema Längsschalldämmung im Holzbau, die Basis, auf der dieses Projekt aufbaut.

Zielsetzung

 

Projektinformationen


Projektleiter:
 

Projektmitarbeiter:
Dr. rer. nat. Rolf Schumacher
Dipl.-Ing. (FH) Markus Pütz
Dipl.-Ing. (FH) Bernd Saß

Projektlaufzeit:
März 2002

Förderstellen