Questions on the new EnEV

Datum: 15.11.2013 | Download: Interview (PDF) | | Autor(en): Jochen Grönegräs (BF), Ulrich Tschorn (VFF) und Prof. Ulrich Sieberath (ift Rosenheim) | Kontakt: Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Benitz-Wildenburg

Interview mit Jochen Grönegräs (BF), Ulrich Tschorn (VFF) und Prof. Ulrich Sieberath (ift Rosenheim)

Ab 2015 sollen Heizkessel, die gewissen Anforderungen nicht gerecht werden, stillgelegt werden. Damit hat die Heizungsbranche offensichtlich erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet. Wurden auch die von Ihnen im Namen der Branche vorgebrachten Bedenken, Anregungen berücksichtigt?

BF, Jochen Grönegräs

In der Begründung des Bundesrats zu seiner Entscheidung, in der diese Ergänzung zur EnEV enthalten ist, wird darauf verwiesen, „dass die Pflicht für Eigentümer von Heizungsanlagen, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufgestellt worden sind, nach geltendem Recht bereits besteht". Hier ist also nur das Datum angepasst worden.

 

In den Umsätzen der Heizungsbranche hat sich diese Verpflichtung übrigens noch nie gezeigt, weil der Vollzug nicht überwacht wird – es hält sich in der Praxis einfach keiner dran. Eine Austauschverpflichtung für Fenster haben wir nicht verlangt, weil wir die Perspektive einer plötzlichen Markt-Aufblähung mit einer Explosion der Kapazitäten mit ruinösen Folgen in den Jahren danach nicht erstrebenswert finden.

 

Auch in den Grundsatzpapieren der Initiative „Energieeffiziente Gebäude" des BDI wie auch der Gebäude-Energie-Effizienz (geea) der dena wird ausdrücklich auf Aufklärung und Anreize statt auf Zwang gesetzt, um die Sanierungsquote zu steigern. Hier arbeiten bekanntlich nicht nur VFF und BF mit, sondern es handelt sich um gewerkeübergreifende Gruppen – auch mit Beteiligung der Heizungsseite, die diese Position also explizit mitträgt.

 

Die Bereitschaft des Verordnungsgebers, Austauschverpflichtungen festzuschreiben, war auch  bei der Heizungstechnik immer schon größer als bei der Gebäudehülle, was einfach mit der kürzeren Lebensdauer der Haustechnik zusammenhängt.

 

Unsere Hauptsorge bei der neuen EnEV war die Gefahr einer Beschränkung der Fensterflächen im Neubau. Diese Gefahr war schon in der Kabinettsversion vom 06.02.2013 gebannt, indem die Nebenanforderung an die Wärmedämmung der Gebäudehülle, das maximal zulässige H‘τ , auf das Referenzgebäude bezogen wurde. Die Fensterfläche ist damit ein „durchlaufender Posten" und das Problem vom Tisch. Das sehen wir – neben vielen kleineren Punkten – schon als einen sehr wichtigen Erfolg unserer Eingaben zu den Entwürfen an, die VFF, BF und BVRS gemeinsam formuliert und beim BMVBS vertreten haben.

 

 

Wie bewerten Sie die Anforderungen der EnEV für die Rahmenmaterialien Alu, Holz und PVC?

ift Rosenheim, Prof. Ulrich Sieberath

Die Anforderungen der EnEV 2014 können grundsätzlich von allen Rahmenmaterialien erfüllt werden. Auch die Verschärfungen ab 2016 können technisch von allen Materialien erfüllt werden, wenn man moderne Konstruktionen und Verglasungen zu Grunde legt. Zwar wurden die Referenzwerte in der Tabelle 1, Anlage 1 „Ausführung des Referenzgebäudes" nicht geändert, aber die Verschärfung des Jahresprimärenergiebedarfs von 25 % wird in Zeile 1 der Tabelle gefordert. Grundsätzlich kann die tatsächliche Ausführung der Bauteile von den Werten der Tabelle 1 abweichen, sofern der Referenzwert für den Jahresprimärenergiebedarf erreicht wird. Dies bedeutet, dass schlechtere durch bessere Bauteile bzw. Haus-/Heiztechnik oder den Einsatz von erneuerbaren Energien (PV-Module, thermografische Kollektoren etc.) kompensiert werden können. Auch wenn die genannten Wärmedurchgangskoeffizienten nicht verbindlich sind, dienen sie doch der Orientierung und haben große Praxisrelevanz. In ähnlicher Weise werden auch bei neuen Nichtwohngebäuden ab 1.1.2016 die Anforderungen an den mittleren U-Wert (Pendant für H´τ) für transparente Bauteile und Vorhangfassaden von 1,9 auf 1,5 W/(m²K) und für Glasdächer, Lichtbänder und Lichtkuppeln von 3,1 auf 2,5 W/(m²K) verschärft. Auch das kann von modernen Konstruktionen problemlos erfüllt werden. 

 

Im Bereich der energetischen Sanierung bleiben die Anforderungen gemäß dem vereinfachten Bauteilverfahren (gemäß Anlage 3, Tabelle 1) an Fenster und Glas unverändert und können auch mit einfacheren Konstruktionen in Verbindung mit einem hochwertigen 2-fach Glas erfüllt werden. Allerdings zeigt die Praxis heute schon, dass die Förderpraxis der KfW-Förderbank einen starken Einfluss hat und die Kaufentscheidungen zu Gunsten hochwertiger Fenster mit 3-fach Verglasungen beeinflusst. Bei Fenstertüren mit Klapp-, Falt-, Schiebe- oder Hebemechanismus wurde der Höchstwert für die Sanierung (Anlage 3, Tab. 1, Produktgruppe 2f) sogar von 1,3 auf 1,6 W/(m²K) erhöht. Bei Haustüren wird der Wärmedurchgangskoeffizient UD in der energetischen Gebäudesanierung von 2,9 auf 1,8 W/(m²K) verringert, was sicherlich dem Stand der Technik entspricht und von den meisten Konstruktionen und Rahmenmaterialien leicht erreicht werden kann. Ausnahmen gelten gemäß EnEV für „rahmenlose Türanlagen aus Glas, Karusselltüren und kraftbetätigte Türen."

 

 

Wird es in diesem Zusammenhang zu einem beschleunigten Strukturwandel in der Branche kommen?

VFF, Ulrich Tschorn

Nicht in dem Sinne, dass einige der Rahmenmaterialien grundsätzlich auf der Gewinner- und andere auf der Verliererseite wären. Die allgemein höheren Anforderungen verlangen aber zunehmend nach leistungsfähigen Unternehmen, um die nötigen höherwertigen Produkte bereitzustellen.

 

 

Der Bauminister spricht von einer „Novelle mit Augenmaß im Rahmen der wirtschaftlichen Vertretbarkeit". Sehen Sie das auch so oder hätte die Branche nicht von ein bisschen mehr Nachdruck in der Sanierung profitieren können?

VFF, Ulrich Tschorn

Die Forderung nach Augenmaß in Sachen Wirtschaftlichkeit ist Konsens zwischen allen Branchen, die in den genannten Initiativen zusammenarbeiten. Die Wirtschaftlichkeit ist im Übrigen auch im EnEG als Grundprinzip aller EnEV-Anforderungen vorgegeben. Dass wir auch finanzielle Anreize für die Sanierung fordern, liegt daran, dass die energetische Sanierung zwar, über die gesamte Lebensdauer des Bauteils gerechnet, wirtschaftlich ist, dass aber der einzelne Hausbesitzer vor der Frage steht, ob der die Amortisationsdauer noch erleben wird. Daher ist die KfW-Förderung und nach unserer Überzeugung auch ein zusätzlicher steuerlicher Anreiz nötig, um die Sanierung in Gang zu bringen.

 

Dass der Bundesrat in seiner Zustimmung unter Auflagen auch den Ausbau und die Verstetigung der KfW-Förderung für die Zukunft gefordert hat, ist bemerkens- und begrüßenswert. Dass die Anforderungen im Bestand nicht groß verschärft werden sollten, ist ebenfalls Konsens – zu Nachrüstverpflichtungen: siehe oben.

 

 

Erwarten Sie von der EnEV Impulse für die Steigerung der Sanierungsrate? Welche Rolle wird dabei der Energiepass spielen?

VFF, Ulrich Tschorn

Finanzielle und steuerliche Anreize sowie Information und Werbung sind die Mittel, mit der die Sanierungsrate gesteigert werden sollte – die geea der dena wird übrigens mit Beteiligung von VFF und BF bald eine Werbekampagne für die Sanierung beginnen. Die EnEV ist insofern für den Bestand nicht das wichtigste Instrument. Sie trägt aber allein schon durch vermehrte öffentliche Diskussion zu mehr Bewegung im Thema bei.

 

 

Zu einer Stärkung des Energiepasses sollen einige Punkte in der EnEV-Novelle beitragen, wie die Pflicht zur Vorlage bei Mietbesichtigungen oder die Einführung von Ordnungswidrigkeits-Tatbeständen. Bislang gibt es beim Energiepass ganz klar eine Umsetzungslücke.

ift Rosenheim, Prof. Ulrich Sieberath

Jeder Energieausweis erhält jetzt eine Registriernummer, die eine eindeutige Erkennung und Kontrolle der Aussteller erlaubt. Die Überprüfung von Ausweisen mit „gelosten" Registriernummern durch die Vollzugsbehörden nimmt den Aussteller von Energieausweisen und Inspektionsberichten viel stärker in die Haftung. Durch die nun gesetzlich verankerte Kontrolle des Vollzuges sowie die vorgeschriebene Nutzung bei gewerblichem Verkauf und Vermietung, werden die Aussagekraft und die Bedeutung des Gebäudeenergieausweises zunehmen.

 

 

Wie steht es um die Berücksichtigung der solaren Energieeinträge, die von der Branche schon so lange gefordert werden? Laut Herrn Hegner sei dies schon lange der Fall.

ift Rosenheim, Prof. Ulrich Sieberath

Die solaren Energiegewinne über Fenster und Verglasungen werden schon seit der EnEV 2002 im Rahmen eines Gebäude bezogenen Nachweises berücksichtigt, sofern ein Gebäude bezogener Nachweis durch einen Architekten oder Gebäudeenergieberater gemacht wird. Dies ist bei Neubauten Pflicht, im Bestand nur optional. Allerdings werden die solaren Gewinne bei diesem Verfahren nicht dem Bauteil Fenster oder Glas zugeschrieben, so dass es immer noch Bauherren gibt, die dies nicht wissen und würdigen. Bei der energetischen Sanierung im Gebäudebestand nach dem vereinfachten Verfahren (EnEV, Anlage 3) werden die solaren Gewinne nicht berücksichtigt, wenn man von der Anforderung an den g-Wert einmal absieht. Hier kann ein Energylabel, das die solaren Gewinne und den sommerlichen Wärmeschutz berücksichtigt, den Bauherren bei der Information und Kaufentscheidung unterstützen. Auch die im Internet verfügbaren Energierechner der Verbände oder die ift-App „Fenstercheck" berücksichtigen die Energiegewinne in Abhängigkeit vom g-Wert der Verglasung.

 

 

Werden die Dreifachverglasung und Warm Edge jetzt zum Standard?

BF, Jochen Grönegräs

Die Anforderungen an den Primärenergiebedarf werden nach Maßgabe des Bundesrates nicht, wie zuerst geplant, in zwei Stufen (je 12,5 % in den Jahren 2014 und 2016), sondern in einer einzigen Stufe (25 % in 2016) verschärft. Im Hinblick auf Planungssicherheit für die am Bau Tätigen, die sich so nicht alle zwei Jahre auf andere Anforderungen einstellen müssen, ist diese Entscheidung nachvollziehbar. Die absolute Notwendigkeit zu Dreifachglas und Warm Edge kommt, wenn man so will, also etwas später. Das macht aber nichts, denn schon heute werden die meisten neuen Häuser besser als nach EnEV-Standard gebaut, um die KfW-Förderung zu bekommen. Die Entwicklung dieser Produkte zum Standard setzt sich also konstant fort.

 

 

Mit welchen Verschärfungen rechnen Sie im nächsten Schritt? Bleibt der Altbau weiter verschont?

VFF, Ulrich Tschorn

Das Ziel des „Nearly Zero Energy-Building" ab 2019 ist ja seit langem vorgegeben. Bekanntlich sollen Gebäude mit „sehr hoher Gesamtenergieeffizienz und sehr geringem Energiebedarf errichtet werden, die ihren Energiebedarf „zum ganz überwiegenden Teil" aus Erneuerbaren Energien decken. Die Verschärfung ab 2016 ist die letzte Zwischenetappe auf dem Weg dorthin. Die Aufgabe wird dann sein, zu definieren, was genau der deutsche Verordnungsgeber unter diesen Begriffen versteht. Auch das Ziel eines „klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050" ist schon lange ausgegeben worden. Dieses allein mit einer Anhebung der Sanierungsquote zu erreichen, wird schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass Bestandsschutz ein hohes Rechtsgut ist, so dass mit Sanierungsverpflichtungen auch weiter zurückhaltend umgegangen wird.

 

 

Fordern und Fördern heißt ein wichtiger Grundsatz. Welche Hoffnungen haben Sie, dass über die KfW-Förderungen hinaus Gelder z. B. für eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit flüssig gemacht werden?

BF, Jochen Grönegräs

In den jetzt stattfindenden Koalitionsgesprächen kommt auch dieses Thema natürlich wieder auf den Tisch. Mit der BDI-Initiative „Energieeffiziente Gebäude" und der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) der dena nutzen wir selbstverständlich diese Gelegenheit, unsere Forderung nach steuerlicher Förderung zu erneuern. Der Knackpunkt für die Umsetzung bleibt die Finanzierung im Zusammenspiel mit den Bundesländern. Aus den Koalitionsverhandlungen, in die ja die Ministerpräsidenten praktisch aller Länder eingebunden sind, ist aktuell aber zu hören, dass man in Sachen steuerliche Förderung auf einem hoffnungsvollen Weg ist.

Rechtlicher Hinweis zur Nutzung: Die Inhalte sind unter Nennung der Quelle "Informationen des ift Rosenheim" frei verfügbar und können für die Kommunikation in Medien und Unternehmen etc. lizenzfrei genutzt werden. Wir bitten um Zusendung eines Belegexemplars als Druckschrift oder als PDF per E-Mail an den redaktionellen Ansprechpartner.