CE-Zeichen für Brandschutzelemente

Date: 04.11.2019 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Dr. Gerhard Wackerbauer, Jürgen Benitz-Wildenburg | Contact: Jürgen Benitz-Wildenburg

Planung und Nachweise von Türen, Fenstern und Toren nach europäischer Norm EN 16034

Seit 2016 ist die Produktnorm EN 16034 in Kraft. Mit dem Ablauf der Koexistenzphase, ist die Norm ab dem 1. November für Fenster, Tore und Außentüren zwingend zu beachten. Mit der Harmonisierung der Produktnorm EN 14351-2 für Innentüren, können voraussichtlich ab November 2019 auch Brandschutzelemente im Innenbereich mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet werden. Höchste Zeit für Zimmerer und Holzbauer, sich bei Planung und Ausschreibung mit den Regeln der europäischen „Brandschutznorm“ zu befassen.

Für Architekten, Hersteller und Verarbeiter bedeutet dies, dass bei Ausschreibung, Planung und Herstellung die Regeln und Klassifizierungen der europäischen Produktnorm zu beachten sind. Eine wichtige Rolle spielt dabei die „Notifizierte Produktzertifizierungsstelle (NPZ), die in Zukunft quasi die Rolle einer Zulassungsstelle übernimmt, ähnlich wie bisher das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt). Die NPZ hat die Verantwortung für die Probekörperauswahl und Probennahme, die Feststellung der Leistungseigenschaften (Typprüfung) sowie die Erteilung des „Zertifikats zur Bescheinigung der Leistungsbeständigkeit“ als baurechtliches Nachweisdokument. Für eine effiziente Prüfung und zügige Erstellung der Nachweisdokumente, die in der Baupraxis dann auch praktikabel nutzbar sind, braucht die NPZ eine umfassende Kenntnis der Produkte, der Normung und Prüfverfahren.

Damit Feuer- und Rauchschutzabschlüsse gemäß europäischer Norm EN 16034 in Verkehr gebracht werden können, müssen die sieben mandadierten Eigenschaften geprüft und nachgewiesen werden. Hierbei sind die neuen europäischen Klassen und Bezeichnungen im CE-Zeichen sowie der Leistungserklärung zu verwenden.

  1. Feuerwiderstand n. Abs. 4.1 (z.B. EI2 30)
  2. Rauchdichtigkeit n. Abs. 4.2 (z.B. S200)
  3. Fähigkeit zur Freigabe n. Abs. 4.3 (z.B. freigegeben)
  4. Selbstschließung n. Abs. 4.4 (z.B. C)
  5. Dauerhaftigkeit zur Fähigkeit der Freigabe n. Abs. 4.5.1 (Freigabe „aufrechterhalten“)
  6. Dauerhaftigkeit der Selbstschließung n. Abs. 4.5.2.1 (Dauerfunktionsprüfung mit Angabe der Zyklen)
  7. Dauerhaftigkeit der Selbstschließung gegen Korrosion 4.5.2.2 (z.B. „erzielt“)

Mit der europäischen Norm ändern sich die Begrifflichkeiten und Kennzeichnungen. Beispielsweise wird aus einer Brandschutztür T30 eine Tür EI2 30- Sa C5, also mit einem Feuerwiderstand von 30 Minuten, einer Höchsttemperatur auf der dem Feuer abgewandten Seite von 180°C, einer Dauerfunktionsprüfung mit 200.000 Zyklen und einer Rauchdichtheit bei Umgebungstemperatur.

 

Zulassungsregeln und Nachweise nach EN 16034

Für Hersteller, Systemgeber aber auch Verarbeiter ist der Klassifizierungsbericht gemäß EN 13501-2 das zentrale Dokument, in dem die Prüfergebnisse bewertet und zulässige Varianten des Systems beschrieben werden. Diese werden durch den direkten (Klassifizierungsbericht) und erweiterten Anwendungsbereich (EXAP-Bericht) definiert. Der Klassifizierungsbericht ist damit der Ersatz für die bislang in Deutschland notwendige „allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“ (abZ) für Feuerschutzabschlüsse bzw. das „allgemein bauaufsichtliche Prüfzeugnis“ (abP) für Rauchschutzabschlüsse. In diesem werden die Übertragbarkeit von Größen sowie die Austauschbarkeit von Beschlägen, Materialien und geprüfte Konstruktionsdetails geregelt. Der Austausch von Beschlägen und Zubehör ist dabei besonders wichtig. Die Angaben nach EN 16034 müssen durch Informationen der jeweiligen Produktnorm ergänzt werden, wenn diese als Außentür (EN 14351-1), Innentür (EN 14351-21), Automatiktür (EN 163611) oder als Tor (EN 13241) eingesetzt werden.

Vom Hersteller muss zudem eine werkseigene Produktionskontrolle nachgewiesen werden, die mit einer Erstüberwachung beginnt und dann jährlich überprüft wird. Anhand der Systemdokumentation wird geprüft, ob die produzierten Abschlüsse mit den geprüften und „abgeleiteten“ Bauelementen übereinstimmen. In der technischen Dokumentation sollten alle notwendig Informationen enthalten sein (Fertigungszeichnungen, Materialien, Herstellung, Toleranzen etc.), um einen Feuer- bzw. Rauchabschluss oder dicht- und selbstschließende Abschlüsse herzustellen. Nach erfolgreicher Prüfung und Bewertung des Produkts und der Erstüberwachung der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK) des Herstellers kann die NPZ das „Zertifikat zur Bescheinigung der Leistungsbeständigkeit“ ausstellen, dass die Grundlage für die Leistungserklärung und die CE-Kennzeichnung durch den Hersteller ist.


1 nach erfolgter Harmonisierung
 

CE-Zeichen und Leistungserklärung

Wenn das „Zertifikat zur Bescheinigung der Leistungsbeständigkeit“ vorliegt, können die Produkte mit dem CE-Zeichen versehen und ausgeliefert werden. Dazu gehört auch die Abgabe einer Leistungserklärung, die alle Charakteristiken der Feuer- und Rauchschutzabschlüsse (FSA/RSA) beinhaltet, die der Hersteller angeben möchte bzw. muss. Die Angaben nach EN 16034 müssen dann je nach Produkt (Außen-, Innen- oder Automatiktür) durch weitere Eigenschaften gemäß der betreffenden Produktnorm EN 14351-1 bzw. -2 bzw. EN 16361 (nach Harmonisierung) oder bei Toren nach EN 13241-1 ergänzt werden, wenn diese gefordert sind.

 

Notifizierten Produktzertifizierungsstelle (NPZ) als neue „Zulassungsstelle“

Bei der NPZ liegt die Verantwortung der Probekörperauswahl und Probennahme, der Feststellung der Leistungseigenschaften (Typprüfung) sowie die Erteilung des „Zertifikats zur Bescheinigung der Leistungsbeständigkeit“ als baurechtliches Nachweisdokument. Die Bauproduktenverordnung (BauPVO) kennt fünf unterschiedliche „Systeme zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit“ (AVCP). Für Feuer- und Rauchschutzelemente ist in der EN 16034 das System 1 festgelegt. Die werkseigene Produktionskontrolle (WPK) ist in allen Systemen die Aufgabe des Herstellers, jedoch muss diese im System 1 von einer für die EN 16034 akkreditierten und notifizierten Produktzertifizierungsstelle (NPZ) überwacht werden. Im System 1 spielt die NPZ somit eine zentrale Rolle auf dem Weg zur CE-Kennzeichnung. Gemäß Tabelle ZA 3 in EN 16034 trägt die NPZ die fachliche “Aufsicht“ für Prüfungen, Klassifizierungen und Überwachungen. Hierfür ist eine umfangreiche Produktkompetenz und Erfahrung notwendig, denn die Angaben und Aussagen müssen im Falle eines Schadens oder bei Nachfragen der Marktaufsicht belastbar sein.

Die Prüfstelle und die NPZ des ift Rosenheim verfügen über mehr als 17 Jahre Prüferfahrung mit über 2.000 Brandprüfungen und gutachtlichen Stellungnahmen. Dies gilt ebenso für die notwendige Erfahrung bei der Interpretation der zugrundeliegenden „EXAP-Normen“ der Reihen EN 15269 und EN 17020 mit über 1.000 Seiten Umfang.

 

 

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