Bedeutung von Umweltprodukt-Deklarationen (EPD) für Bauelemente

Date: 22.07.2021 | Download: Technical article (PDF) | Author(s): Vivien Zwick | Contact: Jürgen Benitz-Wildenburg

Interview mit der Umweltexpertin des ift Rosenheim Vivien Zwick

Frage 1:
Wie lange zertifiziert das ift Rosenheim schon EPDs und für welche Firmen?

Das ift Rosenheim hat 2010 mit der Erstellung von EPDs angefangen, weil wichtige Kunden diese Dienstleistung nachgefragt haben. Seit dieser Zeit haben wir für 50 Firmen und 10 Verbände rund 90 firmenspezifische und 125 Muster-EPDs erstellt. Wir fokussieren uns dabei auf Hersteller mit Produkten rund um die Gebäudehülle, insbesondere Fenster, Türen und Tore sowie deren Komponenten. Baustoffe sind weniger vertreten. Die Kunden kommen verstärkt aus der Industrie und dem Zuliefererbereich. Diese fragen überwiegend Firmenspezifische EPDs nach. Für das Handwerk und mittelständische Hersteller haben wir die die Lösung der Muster-EPD entwickelt, die zu geringen Kosten von ca. 400 - 600,00 Euro erhältlich sind. Alle veröffentlichen Firmen-EPDs finden sich hier.

 

Frage 2:
Wie entwickelt sich die Nachfrage?

Zunächst einmal ist eine EPD und Zertifizierungen zur Umwelt und Nachhaltigkeit eher im B2B-Bereich sowie bei Gebäudezertifizierungssysteme anzutreffen. Wir verzeichnen eine stetig wachsende Nachfrage, da Bauherren immer mehr Transparenz in Bezug auf die Umweltwirkungen fordern. Insbesondere bekannte Firmen, die Wert auf ein gutes Umweltimage legen sowie strukturelle Immobilieninvestoren, die eine Gebäude-zertifizierung wünschen und für die verwendeten Bauelemente eine EPD fordern. Ein wichtiger Treiber ist auch die öffentliche Hand, denn seit 2011 ist eine BNB-Zertifizierung für Neubauten und seit 2013 auch für Bestandsgebäude des Bundes verpflichtend. In Folge sind bei Ausschreibungen Handwerker und Hersteller von Bauelementen immer häufiger damit konfrontiert eine EPD zu liefern. Weiterhin ist die Nutzung einer EPD im Rahmen des Eco-Design, der Ressourceneffizienz und Zertifizierungssystemen wie dem Product Environmental Footprint (PEF) notwendig.

 

Frage 3:
Welche Probleme müssen Unternehmen meistern, um zertifiziert zu werden?

Der größte Teil der Aufgabe ist eine gründliche Datensammlung und die Schaffung einer transparenten Datengrundlage in Bezug auf die Umweltwirkungen, gefährliche Inhaltsstoffe (REACH), Sicherheitsdatenblätter, Recyclingverfahren oder Lebenszyklusphasen. Firmen, die ein gut funktionierendes QM-System oder Umweltmanagement haben, tun sich hier viel leichter. Wenn man ganz bei null anfängt, ist das Verfahren schon langwierig. Die Zusammenarbeit mit dem ift Rosenheim bietet Vorteile, denn alle Zertifizierungen (Ökobilanz, EPD, Nachhaltigkeitsproduktpass, Cradle2Cradle, Energie-, Umweltmanagementsystem-zertifizierung …) kommen aus einer Hand und weisen die gleiche Struktur und Systematik der Dokumente auf. Das schafft Synergien und reduziert den Aufwand.

 

Frage 4:
Welchen Nutzen bringt ein EPD den Unternehmen?

Generell ist ein Umweltmanagementsystem oder eine EPD eine Investition in die Zukunft, denn Umweltaspekte und Nachhaltigkeit werden immer wichtiger. Bereits heute achten in Deutschland mehr als 50 % der Deutschen auf nachhaltig produzierte Waren und der Anteil steigt kontinuierlich an. Wir rechnen auch damit, dass nach der nächsten Bundestagswahl die gesetzlichen Anforderungen steigen werden. Deshalb sind Firmen, die sich heute in Ruhe mit dem Thema auseinandersetzen, bestens für die Zukunft gewappnet. Durch die intensive Beschäftigung mit den Materialien und der Energie bei der Herstellung ergeben sich Einsparungen sowie Ideen für Innovationen und Optimierungen der Produkte sowie des Produktionsprozesses. Außerdem werden EPD zunehmend bei Ausschreibungen verlangt.

 

Frage 5:
Wie können Handwerker und Fensterhersteller besser unterstützt werden?

Um den Prozess zu vereinfachen entwickelt das ift Rosenheim gemeinsam mit Heroal, als namhaftem Systemgeber für Fenster, Türen und Fassaden sowie mit dem Anbieter der Branchensoftware LogiKal eine EPD „per Mausklick“. Hierbei werden generische Materialdaten, Kenndaten der Systemgeber sowie detaillierte Daten des Bauelements für die Erstellung einer Projektspezifischen EPD genutzt. Diese ist Aussagekräftiger als eine EPD für ein theoretisch gebildetes Durchschnitts-Bauelement. Das kann gerade bei der Verwendung für Gebäudezertifizierungen Vorteile bieten.

 

 

Der vollständige Inhalt steht auch als PDF-Datei per Download zur Verfügung.

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