Forschungsprojekt - Barrierefreiheit von Bauelementen

Bewertung der Barrierefreiheit von Bauelementen am Anwendungsbeispiel Fenster und Türen


Ausgangssituation

Viele Menschen sind aufgrund verschiedenster körperlicher und geistiger Einschränkungen auf eine barrierefreie Umwelt angewiesen. Durch den demografischen Wandel besteht zudem steigender Bedarf an barrierefreien Lösungen, um selbständiges und komfortables Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Das bisherige Grundziel der Barrierefreiheit sieht besonders im öffentlichen Bereich eine Nutzung durch möglichst alle Menschen mit und ohne Einschränkungen vor. Die neu veröffentlichten und in den meisten Bundesländern baurechtlich eingeführten Normen DIN 18040 1+2 zum barrierefreien Bauen, richten sich zwar bereits an jeweilige individuelle Schutzziele, beinhalten jedoch keine konkreten Angaben oder individuellen Einsatzempfehlungen.

Dies führt häufig zu baulichen Lösungen die bemüht sind, stur allen denkbaren normativen und regulativen Anforderungen zu genügen, ohne dem eigentlichen Bedarf der späteren Nutzergruppen gerecht zu werden. Gerade im privaten Bereich und bei speziellen Einrichtungen ist aber vielmehr eine situative Ausstattung der Bauelemente erforderlich, um das Optimum für die jeweilige Nutzergruppe zu erreichen und vor allem auch bezahlbar zu machen. Daneben dürfen auch die herkömmlichen, für den Bereich der Fenster und Türen extrem breit gefächerten Leistungseigenschaften, nicht zurückstehen.

Zielsetzung

Ziel dieses Forschungsvorhabens war es barrierefreie Anforderungsprofile für verschiedene Nutzergruppen und Anwendungsfälle von Fenstern und Türen zu definieren. Es sind Konzepte für eine praxisnahe Bewertung der Barrierefreiheit dieser Bauelemente zu entwickeln.


Vorgehensweise

Um den Status Quo zum barrierefreien Bauen festzustellen wurde eine Recherche durchgeführt, die Regelungen, Empfehlungen, Förderprogramme und Forschungsprojekte sowie eine Produktrecherche umfasst. Die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen wurden ermittelt, den Schutzzielen zugeordnet und anhand baulicher Anforderungen für Fenster und Türen konkretisiert. Im Ergebnis der Recherche zeigte sich, dass zur Umsetzung der Barrierefreiheit mit Fenstern und Türen über die normativen Vorgaben hinaus nur wenige Hinweise existieren. Statt Alternativen aufzuzeigen, wird tendenziell auf kraftbetätigte Elemente verwiesen. Anhand der erstellten Anforderungsprofile wird der Planer in die Lage versetzt den tatsächlichen Bedarf der Nutzergruppen besser zu erkennen und diesem mit Anforderungen an Fenster und Türen entgegenzukommen. Praxisuntersuchungen sollten zeigen wie die Barrierefreiheit mit Fenstern und Türen in Einrichtungen für Senioren umgesetzt ist und ob die normativen Vorgaben den tatsächlichen Bedarf widerspiegeln. Die Probanden wurden einerseits zu Barrieren in ihrem Wohnumfeld befragt. Andererseits wurde, mit einem eigens entwickelten Bedienkraftsimulator ermittelt, welche Bedienkräfte die Probanden aufbringen können. Die Befragungen zeigten, dass Dreh-Kipp Fenstertüren häufig aufgrund zu hoher Bedienkräfte nur eingeschränkt bedienbar waren. Auch die Passierbarkeit einiger Schwellen wurde bemängelt. Die Grenzwerte für Bedienkräfte fingerbetätigter und handbetätigter Beschläge erwiesen sich in der Praxis als zu hoch, während sich die Grenzwerte für die Linearbewegung als akzeptabel zeigten. Durch einfache Servicearbeiten konnte die Bedienbarkeit bemängelter Fenstertüren deutlich reduziert werden.
In Laborversuchen wurde untersucht, wie sich Bedienkräfte im Lebenszyklus eines Elementes verändern und welche Wechselwirkungen zwischen niedrigen Bedienkräften und weiteren Leistungseigenschaften bestehen. Umfangreiche Bedienkraftmessungen an Fenstern z.B. mit Zusatzbeschlägen wurden durchgeführt, um zu zeigen, ob damit die zulässigen Bedienkräfte erreichbar sind. Es zeigt sich, dass die Bedienkräfte über den Anpressdruck in direkter Wechselwirkung mit der Luftdichtigkeit und dem Widerstand gegen Schlagregen stehen. Verschiedene Zusatzbeschläge können eine Alternative zum Kippöffnen und –schließen bieten oder dieses so erleichtern, dass die normativen Anforderungen an geringe Bedienkräfte erreicht werden können. Kritisch bleibt dabei die Bedienart Kipp bei Fenstertüren, doch Zusatzbeschläge können die Bedienkraft für das Kippschließen deutlich reduzieren.
In Deutschland ist die Schwellenhöhe alleiniges Kriterium für eine barrierefreie Passierbarkeit, dabei ist die Überrollbarkeit gerade für Nutzer von Rollstühlen und Rollatoren wichtiger. Zur Überrollbarkeit von Schwellen wurden umfangreiche Versuche mit einem Rollwagen durchgeführt. Daraus wurde ein Messverfahren entwickelt und dessen objektive Ergebnisse der subjektiven Probandenbeurteilung gegenübergestellt. Im Ergebnis können nun Schwellen hinsichtlich ihrer Überrollbarkeit klassifiziert werden.


Projektinformationen


Projektleiter:
Dipl.-Phys. Norbert Sack

Projektmitarbeiter:
Sandra Haut
Knut Junge
Fabian Kutscher

Projektlaufzeit:
01.10.2015 bis 30.06.2018

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