Barrierefreiheit – die neue EN 17210

Datum: 30.03.2021 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Knut Junge | Kontakt: Gabriele Tengler

Auswirkungen auf die nationale Normenreihe DIN 18040

Einleitung

Im Verlauf dieses Jahres wird die EN 17210 „Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umgebung – Funktionale Anforderungen“ veröffentlicht. Diese europäische Norm umfasst über 300 Seiten, darunter zahlreiche Abbildungen. Ziel der langwierigen Normungsarbeit war die umfassende Information und Sensibilisierung der Anwenderinnen und Anwender. Deshalb wurde jedem einzelnen Abschnitt eine allgemeine Begründung der zugehörigen Anforderungen und Empfehlungen vorangestellt.

 

Die EN 17210 ist vorgesehen als teilweiser Ersatz der nationalen Normenreihe DIN 18040 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen“:

  • Teil 1: „Öffentlich zugängliche Gebäude“ (Ausgabe Oktober 2010),
  • Teil 2: „Wohnungen“ (Ausgabe September 2011),
  • Teil 3: „Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum“ (Ausgabe Dezember 2014).

Damit stellt sich natürlich die Frage, was sich mit Inkrafttreten dieser europäischen Norm in Deutschland ändern wird, und ob die bekannten nationalen Normen zum barrierefreien Bauen ihre Gültigkeit behalten.

 

Was ändert sich?

Im Grunde erst einmal nichts. Die künftige EN 17210 enthält im Wesentlichen Schutzziel-Formulierungen (englisch mit functional requirements umschrieben) und Empfehlungen. Mithin sind die dort getroffenen funktionalen Anforderungen rein qualitativ formuliert, d.h. ohne konkrete quantitative Angaben.

 

Diese funktionalen Anforderungen werden zwar durch zwei Fachberichte (TR = Technical Reports)

  • CEN/TR 17621:
    Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umgebung – Technische Leistungskriterien und Anforderungen
  • CEN/TR 17622:
    Zugänglichkeit und Nutzbarkeit gebauter Umgebung – Konformitätsbewertung

ergänzt, aber diese werden nicht in das deutsche Normenwerk übernommen. Sofern sie nicht vertraglich vereinbart werden, haben sie in Deutschland rein informativen Charakter.

 

Im Ergebnis schreibt die künftige EN 17210 weder vor, auf welche Art und Weise Schutzziele (funktionale Anforderungen) erfüllt werden sollten, noch enthält sie irgendwelche Beschreibungen hierzu. Daher steht dieses Dokument nicht im Widerspruch zu technischen nationalen Normen für die Barrierefreiheit.

 

So findet sich beispielsweise zu Türschwellen die Forderung „Können Türschwellen nicht vermieden werden, müssen sie niedrig und abgeschrägt sein.“ – also ohne Nennung eines konkreten Zahlenwertes zur maximal zulässigen Schwellenhöhe. Dies regeln – auch nach Veröffentlichung der EN 17210 – weiterhin die nationalen Regelwerke. In Deutschland ist das die bereits erwähnte Normenreihe DIN 18040.

 

Randnotiz

Der Begriff „Schwelle“ taucht über 20-mal in der EN 17210 auf. Grund hierfür ist der themenspezifische Aufbau der Norm, d.h. Angaben zu Türschwellen sind nicht einmalig genannt, sondern überall dort, wo sie auch in der Praxis vorkommen können.

 

Wie geht es weiter?

Für die Überarbeitung bzw. besser gesagt Anpassung der nationalen Normenreihe DIN 18040 stehen drei Jahre (nach Veröffentlichung der EN 17210) zur Verfügung. Ziel dieser Überarbeitung ist die Widerspruchsfreiheit zum übergeordneten europäischen Papier. Dies betrifft die Schutzziel-Formulierungen, aber auch Anforderungen aus EN 17210, für die es bis dato national keine Regelung gab bzw. die im Widerspruch zu denen der aktuellen Normenreihe DIN 18040 stehen. Hierfür bedarf es eines entsprechenden technischen Lösungsvorschlags, ggf. mit Festlegung von Zahlenwerten. Alternativ wäre auch denkbar, dass diesbezüglich keine Anforderungen festgelegt werden, da diese schon in anderen Normen geregelt sind.

 

Es ist damit zu rechnen, dass Schutzziel-Formulierungen in der zu überarbeitenden Normenreihe DIN 18040 geändert bzw. gestrichen werden, da diese im europäischen Papier zu finden sind. Dies sind Festlegungen, wie beispielsweise „Türen müssen deutlich wahrnehmbar, leicht zu öffnen und schließen und sicher zu passieren sein“.

 

Damit wird aus der künftigen Normenreihe DIN 18040 eine „Anwendungsnorm“ zur EN 17210, welche die technische Umsetzung der europäischen Anforderungen unter Nennung von Lösungsbeispielen darlegt, also zeigt, wie die verbalen Schutzziele in gebaute Wirklichkeit umgesetzt werden.

 

Zusammenfassung

Die EN 17210 ist im Themenbereich Barrierefreiheit als zusätzliche Informationsquelle mit erklärenden Texten und Begründungen anzusehen. Bis zum Ablauf der dreijährigen Übergangsfrist (nach Veröffentlichung der europäischen Norm) gilt weiterhin die bekannte nationale Normenreihe DIN 18040. Diese wird im Rahmen der Überarbeitung zu einer „nationalen Anwendungsnorm“ und an die EN 17210 angepasst werden.

 

 

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Ohne Planung kein Erfolg

Datum: 01.10.2020 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Ingo Leuschner | Kontakt: Gabriele Tengler

Aus der gutachtlichen Praxis

Bei über 200 Projekten im Sachverständigenzentrum des ift Rosenheim fällt auf, dass bei der Auseinandersetzung zwischen Bauherrn und Lieferanten um mangelhafte Bauelemente eine wichtige Partei fehlt: die planende, ordnende Hand. Gründe könnten sein: Planungsfehler und -lücken werden nicht als wichtig für die Probleme am Bauteil gesehen, oder es war schlichtweg keine Person (offiziell) mit der Planung betraut. Dabei rücken verschiedene Tendenzen am Bau die Planung in den Fokus:

  • Die Architektur nutzt Fenster, Türen und Fassaden als Aushängeschilder und gestaltet sie immer größer und komplexer.
  • Der große Anteil dieser Bauelemente an der Gebäudehülle beeinflusst Wärmeschutz, Schalldämmung und Sicherheit des gesamten Gebäudes.
  • Der Wunsch nach multifunktionalen Bauteilen, welche gleichzeitig Anforderungen wie Einbruchhemmung, Brandschutz, Barrierefreiheit etc. erfüllen, ist mitunter schwierig zu realisieren. Vielfältige Regelwerke, steigende Anforderungen und Kundenerwartungen machen es nicht leichter.

Der Teufelskreis einer fehlerbehafteten und unvollständigen Planung führt jedoch zu teils gravierenden Schäden, die teilweise einen erheblichen Sanierungsaufwand zur Folge haben können:

 

Beispiel 1: Nachweis nicht geführt

Beschreibung
In einem Neubau wurden Aluminiumfenster verbaut. Im Bad ist die Badewanne direkt entlang eines Fensters angeordnet. Im Winter ist die Wanne für die Bewohner aufgrund der besonders kühlen Oberflächen um die Wanne nicht zum Baden nutzbar.

Probleme
Das Fenster wurde praktisch flächenbündig raumseitig in der Wand positioniert. Es existiert nur ein geringer Abstand zwischen Fenster und Badewanne, der zudem nicht gedämmt wurde (Bild 1). Die äußere Brüstungsfläche unter der Fensterbank ist ebenfalls nicht gedämmt.

Bewertung
Die Berechnung des Temperaturfaktors fRsi hätte ergeben, dass die raumseitigen Oberflächentemperaturen bereits ab ca. 5 Grad problematisch werden. Dies ist nicht erfolgt. Die erhebliche Wärmebrücke sitzt der badenden Person praktisch im Nacken. Die große Fensterfläche besitzt im Vergleich zur gedämmten Wand stets eine geringere Oberflächentemperatur, was die Unbehaglichkeit an der Badewanne verstärkt.

 

Beispiel 2: Einfache Bauweise – komplexe Details

Beschreibung
Ein großes Dienstleistungszentrum mit unterschiedlichen Nutzungsbereichen soll in Industriehallenbauweise erstellt werden. Umfangreiche Anteile mit Fenstern, Fensterbändern und Außentüren aus Kunststoff sind vorgesehen.

Probleme
Das Gebäudetragwerk ist in Stahl und Holz ausgeführt. Die Gebäudehülle wird prinzipiell aus Aluminium-Dämmstoff-Systempaneelen gebildet. Die Fenster müssen in die Paneele gesetzt werden. Es fehlen sämtliche Voraussetzungen für die fachgerechte Abdichtung und Befestigung der Fenster. Die Ausführung zeigt das Bemühen, die fehlenden Voraussetzungen zu kompensieren (Bild 2). Es kommt dennoch zu Tauwasserbildung, Wassereintritten und Nachgiebigkeiten an den Fenstern.

Bewertung
Die Anordnung der Fenster und das Fehlen jedweder Überlegungen, wie diese in den Wandaufbau integriert werden können, sind wesentliche Faktoren, welche bereits im Entwurf des Gebäudes wurzeln. Die fehlenden Korrekturen in der Phase der Detailplanung wiegen schwer; die Maßnahmen am Objekt sind wirkungslos. Ohne starke Eingriffe in das Grundkonzept kann das Gebäude nicht betrieben werden – ein entsprechend hoher Sanierungsaufwand ist erforderlich.

 

Fazit

Die Überprüfung der planerischen Vorgaben ergibt, dass die Leistungseigenschaften nach EN 14351-1 praktisch unbekannt sind, oder „Anschlüsse nach RAL“ ausgeschrieben werden. Die Architekten benötigen daher die Unterstützung durch die Branche. Mit seröser Beratung und Hilfsmitteln wie dem ift-Montageplaner, den ift-Einsatzempfehlungen und den Leitfäden zur Montage sind Hilfsmittel vorhanden, die den Beteiligten die Arbeit erleichtern und abnehmen. Denn das Fenster ist nur ein Gewerk unter vielen – aber natürlich ein besonders wichtiges!

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Abdichtung von Fassadenkonstruktionen

Datum: 23.03.2021 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Rolf Schnitzler, Jürgen Benitz-Wildenburg | Kontakt: Jürgen Benitz-Wildenburg

Planung und Ausführung von Problembereichen am Beispiel von Dachverglasungen

Fenster und Fassaden müssen ihre Luft- und Schlagregendichtheit oft unter extremen Bedingungen unter Beweis stellen – man denke nur an Hochhäuser, die in mehreren hundert Metern Höhe Orkanen standhalten müssen. Deshalb zählt die Prüfung der Luft- und Schlagregendichtheit neben dem Schall- und Wärmeschutz sowie sicherheitsrelevanten Prüfungen wie Windlast, Absturzsicherheit oder dem Feuerwiderstand zu den wichtigsten Nachweisen. Die meisten Fassadensysteme, die von Systemgebern angeboten werden, verfügen über die notwendigen Prüfungen und Nachweise. Wichtig zu wissen ist dabei, dass die Schalldämmung von Baukörperanschlüssen direkt abhängig von der Luftdichtheit ist, und es gilt „luftdicht gleich schalldicht“.

 

Gerade bei komplexeren Aufgaben sollte der Metallbauer aber einen genaueren Blick in die Prüfzeugnisse werfen, um zu kontrollieren, ob die max. zulässigen Abmessungen nicht überschritten werden und auch die geplanten Details geprüft wurden. Hierzu zählen vor allem Stöße, Übergänge, die Einbindung von Bauelementen wie Türen und Fenster sowie die Baukörperanschlüsse, für die es oft nur Musterdetails für Standardausführungen gibt. Das gilt auch für Dachverglasungen mit geringer Neigung, deren Umsetzung im Weiteren vorgestellt wird. Neben der Dichtheit ist auch die Vermeidung von Wärmebrücken und der damit verbundene Tauwasserausfall eine wesentliche Aufgabe, nicht nur bei passivhaustauglichen Fassaden.

 

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Green Deal Gebäudehülle

Datum: 29.03.2021 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Prof. Jörn P. Lass, Jürgen Benitz-Wildenburg | Kontakt: Jürgen Benitz-Wildenburg

Energieeffizienz und Schutz vor Klimafolgen im Neubau und der energetischen Sanierung

Der Klimawandel ist da, und die Folgen treffen uns alle – das sagen Experten und das zeigt das Klima selber. Hitzerekorde mit Temperaturen bis zu 47 Grad, Überschwemmungen bei Starkregen sowie unerwartete Kälteeinbrüche mit großen Schneemassen gefährden Leben und Gebäude werden durch Hagelkörner groß wie Tennisbälle und Orkane beschädigt. Daher geht es nicht mehr allein nur darum den Klimawandel durch energieeffiziente und nachhaltige Bauprodukte zu begrenzen, sondern auch darum sich vor den zukünftigen Klimakatastrophen zu schützen. Die Gebäudehülle muss das Klima im Gebäude angenehm und sicher halten – am besten natürlich ohne technische Systeme wie Heizungs- oder Klimatechnik.

 

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Charakterisierung verschiedener Verschattungssysteme

Datum: 25.02.2021 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Jürgen Benitz-Wildenburg | Kontakt: Jürgen Benitz-Wildenburg

Übersichtstabelle

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