Neue Bauproduktenverordnung (BauPV) im Detail

Datum: 20.03.2013 | ID: PI130362 | Download: Neue Bauproduktenverordnung (BauPV) im Detail PI130362 (PDF) | Autor(en): Jürgen Benitz-Wildenburg


Fachtagung zeigt praktische Konsequenzen und notwendige Hausaufgaben

Der Countdown zu CE-2.0 läuft, und so trafen sich am 28. Februar in Rosenheim über 230 Branchenexperten zur Fachtagung, die gemeinsam von ift Rosenheim, VFF und BF veranstaltet wurde. Vertreten war ein repräsentativer Querschnitt der Branche – vom Hersteller über Systemgeber bis zu den verschiedenen Zulieferbetrieben, die alle von den zahlreichen Praxistipps und der umfassenden Frage- und Antwortrunde profitierten. Ziel war es, der Branche gemeinsame und praxistaugliche Regeln für die Umsetzung der neuen Anforderungen vorzustellen. Der Institutsleiter Prof. Ulrich Sieberath brachte das bei der Begrüßung mit den Worten „Hier sitzen alles CE-Experten, die mit der Umstellung gut fertig werden und diesen Wissensvorsprung als Wettbewerbsvorteil nutzen werden." auf den Punkt. 

Der Tagungsband ist im Literaturverkauf verfügbar und enthält die Bauproduktenverordnung im Volltext, das VFF Merkblatt hierzu sowie alle Vortragsfolien der Referenten.

Die Anwesenden hatten mehrheitlich bereits an den früheren Fachtagungen der Veranstalter teilgenommen und waren mit der Thematik vertraut. Daher gingen die Referenten in den von Andreas Woest, (Leiter Normungszentrum am ift) moderierten Vorträgen direkt auf die praktischen Details ein. Diese reichten von einer rechtssicheren Erstellung der Leistungserklärung über die Anbringung der CE-Kennzeichnung bis zur intelligenten Organisation der WPK und der technischen Dokumente. 

Ergänzt wurde dies durch zahlreiche Praxistipps, beispielsweise den professionellen Umgang mit Anfragen der Marktaufsicht, von der mehrere Betriebe bereits berichteten. Als wesentliche Änderung zeigt sich die rechtliche Bedeutung der Leistungserklärung (LE) mit der Hersteller die Verantwortung für die Übereinstimmung des Bauprodukts mit den Angaben aus der Leistungserklärung übernehmen und nicht mehr nur für die Konformität mit einer Produktnorm. Das beeinflusst bereits die Bewerbung eines Produktes, bei der die wesentlichen Produktmerkmale nur noch beworben werden dürfen, wenn sie auch in der LE angegeben wurden.

Den Auftakt machte David Hepp, Leiter QM-Systeme im ift Rosenheim, der das Vorgehen für eine praxistaugliche Organisation der Werkseigenen Produktionskontrolle (WPK), der notwendigen technischen Dokumente sowie das Vorgehen bei der Erstellung der Leistungserklärung (LE) und des CE-Zeichens im Einzelnen vorstellte.

Er berichtete eingangs über Erfahrungen der Hersteller mit Anfragen der Marktüberwachung, die in Bayern von der damit betrauten Autobahndirektion Nordbayern kamen. Hier wurden sehr konkret formale Details bei den Angaben zur CE-Kennzeichnung nachgefordert und bereits auf die anstehenden Änderungen durch die Bauproduktenverordnung am 1.7.2013 hingewiesen.

Im Weiteren ging David Hepp auf die Unterschiede der vom Hersteller benötigten technischen Dokumente für die Produktion und deren Kontrolle und den in der technischen Dokumentation geforderten Papieren ein. Einerseits sollte die technische Dokumentation möglichst schlank bleiben, da sie den Marktüberwachungsbehörden u. U. in deren Landessprache vorgelegt werden muss. Um dies zu vereinfachen, bietet das ift-Produktpassmodell ein geeignetes Instrument, um diese Aufgabe erheblich zu vereinfachen. Andererseits muss die technische Dokumentation die Angaben der Leistungserklärung nachvollziehbar machen und eine Erklärung zur ordnungsgemäß durchgeführten WPK und deren Grundlagen beinhalten.

In der Leistungserklärung sind neben einer Reihe von Angaben zu Produkt und Hersteller alle wesentlichen Eigenschaften aufzulisten. Zu welcher dieser Eigenschaften auf der Grundlage der Prüfergebnisse aus der technischen Dokumentation die erreichten Stufen oder Klassen gefordert sind, schreiben die EU-Mitgliedsstaaten unterschiedlich vor. Nur noch die im Verwendungsland geforderten Leistungseigenschaften müssen angegeben werden. Sollte in einem Land jedoch gar keine Angabe gefordert sein, ist dennoch mindestens für eine Eigenschaft die Stufe oder Klasse bzw. der Wert anzugeben, da grundsätzlich keine „leeren" CE-Zeichen erstellt werden können.

Eine Reduzierung des Dokumentationsaufwandes ermöglicht die Regelung, dass sich die Leistungserklärung auf einen Tür- oder Fenstertyp oder eine ganze Fensterserie beziehen darf und gemäß den Regelungen der Produktnorm die an Standardabmessungen ermittelten Werte genannt werden dürfen. Dies ermöglicht das in Verkehr bringen einer Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen und Größen mit ein und derselben Leistungserklärung.

In der Diskussion wurde zusätzlich darauf hingewiesen, dass es dann möglich ist, dem Abnehmer mit Bezug auf diese Leistungserklärung mehrere Lieferungen des gleichen Produkts zu senden und im eigentlichen CE-Kennzeichen immer wieder auf diese Leistungserklärung zu verweisen. Auch wurde diskutiert, ob das CE-Kennzeichen am Produkt selber oder auf den Begleitpapieren angebracht werden kann. Hierzu wurde festgestellt, dass die Verordnung beides zulässt, aber einer Kennzeichnung am Produkt den Vorzug gibt, was auch im Sinne der Rückverfolgbarkeit von Produkten für den Hersteller vorteilhaft sein kann.

Für den Hersteller ist wichtig, dass die auftragsbezogenen Dokumente, im Besonderen die technische Dokumentation mit den zugrundeliegenden Prüfberichten und Angaben zur Fertigung sowie die Leistungserklärung 10 Jahre aufzubewahren sind. Bei Serienprodukten zählt das Datum des letzten in Verkehr Bringens des Produktes.

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