Mehr Barrierefreiheit mit „richtigen“ Fenstern und Türen

Datum: 01.03.2019 | Download: Fachartikel (PDF) | Autor(en): Knut Junge, Sandra Haut | Kontakt: Gabriele Tengler

Hinweise zur besseren Planung und Ausschreibung auf Basis eines ift-Forschungsprojekts

Barrierefreies Bauen betrifft in Deutschland über 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen, eine Vielzahl von Senioren sowie Menschen mit temporären Einschränkungen, beispielsweise nach einem Unfall. Aus diesem Grund muss im Neubau und bei genehmigungspflichtigen Sanierungen die baurechtlich eingeführte DIN 18040-2 eingehalten werden. Diese enthält für Türen einige konkrete Regelungen. Zu Fenstern gibt es hingegen nur rudimentäre Vorgaben und insgesamt zu wenig Hinweise zur praktischen Umsetzung. Planer und Fensterbauer müssen Kompromisse zwischen Anforderungen und Praxis entwickeln und dabei unterschiedliche, mitunter gegenläufige Faktoren berücksichtigen. Zielkonflikte ergeben sich beispielsweise zwischen den geforderten geringen Bedienkräften und Leistungseigenschaften wie Schallschutz, Schlagregendichtheit oder Einbruchhemmung. In ähnlicher Weise gilt dies für die Schwellenhöhe von Türen und Fenstertüren.

Um dieses baupraktische Problem zu lösen, hat das ift Rosenheim 2018 ein Forschungsprojekt durchgeführt. Ziel war die Erarbeitung konstruktiver Lösungen, um die Anforderungen an die Funktion, Gebrauchstauglichkeit und die Schutzziele der DIN 18040 in Abhängigkeit von der Nutzergruppe gleichermaßen zu erfüllen. Denn es ist ein großer Unterschied, ob Türen und Fenster in einer Wohngemeinschaft junger Rollstuhlfahrer, für Blinde oder in einer Pflegestation für Demenzkranke eingesetzt werden. Hier ist eine situative Planung, Ausschreibung und Ausführung der Bauelemente sinnvoll, um das Optimum für die jeweilige Nutzergruppe zu erreichen. Auf Basis von Praxisuntersuchungen und Befragungen von Betroffenen wurden normative Kenngrößen für Fenster und Türen den Bedürfnissen der befragten Nutzer gegenübergestellt. Es wurde eine Methode entwickelt, mit der sich die Überrollbarkeit von Schwellen bewerten und klassifizieren lässt. Ein neu entwickelter Bedienkraftsimulator ermöglicht die Ermittlung realistischer Bedienkräfte.

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