Interview zum barrierefreien Bauen

Datum: 29.07.2014 | Download: Interview (PDF) | | Autor(en): Dipl.-Ing. (FH) Knut Junge | Kontakt: Susanne Hainbach, M.A.

Welche Rolle spielt Ihrer Erfahrung nach barrierefreies Bauen im Markt heute tatsächlich (schon)?

 

Das barrierefreie Bauen ist inzwischen nicht mehr nur eine Randerscheinung im Baugewerbe, dem der Charme von Pflege- oder Arzteinrichtungen anhaftet. Was ursprünglich oft als freiwillige Selbstverpflichtung einiger vorausschauender Investoren und Planer verstanden wurde, hat inzwischen auch einen festen Platz in den Bauordnungen gefunden.

 

Mit der Novellierung der Musterbauordnung (MBO) und den (als Folge daraus) Anpassungen der jeweiligen Landesbauordnungen wurde insbesondere der Bereich „Barrierefreies Bauen“ erweitert, und die Vorschriften wurden präzisiert. In den meisten Bundesländern sind die zugrundeliegenden DIN-Normen inzwischen mit einigen Variationen als „Technische Baubestimmung“ eingeführt und jetzt verbindlich zu beachten. Damit steigt natürlich auch die Bedeutung des barrierefreien Bauens für die gesamte Branche. Der Markt muss nun geeignete Produkte in ausreichender Anzahl und Qualität anbieten.

 

Wieso tun sich viele Handwerker offenbar schwer damit, dem doch eigentlich hohen Bedarf nachzukommen?

 

  • Vermutlich ist hierfür eine Mischung aus mehreren Gründen ursächlich:
  • Relativ „neue“ und somit unbekannte Vorschriften,
  • eine weitere „zusätzliche“ Vorschrift, die zu beachten ist.
  • Die Detailvorgaben in den Vorschriften, insbesondere der DIN 18040, müssen bekannt sein.
  • Die Vorschriften (DIN-Normen) müssen gekauft werden.
  • Komplex wird die Aufgabe, wenn aufgrund zu hoher Bedienkräfte die eingesetzten Elemente zu automatisieren sind – oft ein Gebiet, welches Handwerks- und Montagebetriebe nicht abdecken.
  • Konservative Grundhaltung „Das haben wir früher nicht gebraucht, warum jetzt?“

 

Welchen Stellenwert kommen Fenstern und Türen beim barrierefreien Bauen zu?

 

Vor allem Türen kommt ein großer Stellenwert zu. Dies spiegelt sich in der Vielzahl der an diese Elemente gestellten Forderungen wieder: In DIN 18040 Teil 1 „Öffentlich zugängliche Gebäude“ nimmt der Abschnitt 4.3.3 Türen den mit Abstand größten Platz ein. Auf knapp vier Seiten werden in textlicher, tabellarischer und bebilderter Form Festlegungen an Türen getroffen. Noch umfangreicher sind die Anforderungen im Teil 2 „Wohnungen“ der Norm. In diesem Teil  werden zusätzlich Anforderungen speziell an Innentüren gestellt.

 

Normative Anforderungen an Fenster werden nur in Teil 2 (Wohnungen) der Normreihe DIN 18040 gestellt.

 

Was gilt es dabei besonders zu beachten (Stichwort DIN 18040)?

 

Durch Einführung der DIN 18040 Teil 1 und Teil 2 als „Technische Baubestimmung“ sind die Forderungen zur Barrierefreiheit jetzt verbindlich zu beachten. Hierfür ist das Studium der umfangreichen Detailregelungen zwingend erforderlich. Dazu zählen auch Kenntnisse über Förderprogramme (z.B. Kfw-Förderprogramm 159), produktübergreifende Zusammenhänge wie die sinnvolle Anordnung von Türen, Auswirkungen unterschiedlicher Behinderungsarten etc.

 

Wie gut ist die Industrie/sind die Hersteller Ihrer Meinung nach für dieses Thema gerüstet?

 

Die Vielzahl an angebotenen Fortbildungsmaßnahmen, Workshops etc. legt die Vermutung nahe, dass noch erheblicher Nachholbedarf besteht.

 

Wie gut ist das Handwerk in Sachen Einbau/Montage gerüstet?

 

Siehe oben, oft noch große Unkenntnis. 

Rechtlicher Hinweis zur Nutzung: Die Inhalte sind unter Nennung der Quelle "Informationen des ift Rosenheim" frei verfügbar und können für die Kommunikation in Medien und Unternehmen etc. lizenzfrei genutzt werden. Wir bitten um Zusendung eines Belegexemplars als Druckschrift oder als PDF per E-Mail an den redaktionellen Ansprechpartner.