ift-Brandschutztag - Eigenständige Prüfung nach UL-Standard

Date: 25.07.2013 | ID: PI130671 | Download: ift-Brandschutztag - Eigenständige Prüfung nach UL-Standard PI130671 (PDF) | Author(s): Jürgen Benitz-Wildenburg


280 Teilnehmer verfolgten gespannt die Vorträge und den „Hose Stream Test"

Für alle am Brandschutz interessierten Fenster- und Fassadenexperten ist der Tagungsband interessant, der nicht nur die Textmanuskripte (deutsch oder englisch), sondern auch alle freigegebenen Vortragsfolien mit vielen Grafiken und Informationen zu div. Regelwerken auf CD-ROM enthält.

Über 280 Teilnehmer aus 14 Ländern waren dem Motto „Brandschutz strategisch planen und anwenden" gefolgt, um sich über die neuesten Verfahren bei Normen und Zulassungsverfahren zu informieren. Highlights waren Praxistipps im Umgang mit den EXAPs und Infos zur Zulassung in der Schweiz, Russland und den USA. Hierzu gehörte auch die Prüfung nach dem amerikanischen UL-Standard, bei der das Fassadenelementvon Hueck mit Gläsern von Vetrotech/Saint-Gobain den gefürchteten „Hose-Stream-Test" erfolgreich bestanden hat. Im Anschluss verkündete Andreas Matschi (Leiter ift-Brandschutzzentrum) stolz, dass das ift Rosenheim nun eigenständig die Prüfungen nach UL-Standard durchführen kann, so dass die Nachweise für den US-Markt, Asien und im Nahen Osten deutlich einfacher werden.

Die stetigen Veränderungen in der Normung, Gesetzgebung sowie die Verwendung neuer Materialien und innovativer Zubehörteile fordern von den Herstellern eine ständige Weiterentwicklung ihrer Produkte. Das Know-how im Umgang mit Prüfungen, Nachweisen und Gutachten ist angesichts komplexer Zulassungsverfahren eine wichtige Kompetenz, vor allem wenn internationale Märkte bedient werden sollen. Die ift-Brandschutztage haben sich in der Branche als führende Plattform für den fachlichen Austausch etabliert. Durch die europäische Bauproduktenverordnung (BauPVO) und die Produktnormen wird in Europa sicher manches einfacher – die Anforderungen an die Dokumentationspflicht werden aber steigen.


Prüfung und Klassifizierung von Feuer- und Rauschutzabschlüssen
In mehreren Vorträgen wurden detaillierte Informationen über die Grundlagen und die Voraussetzungen zur Anwendung der EN 16034 als zukünftige Produktnorm für Feuer- und Rauschutzabschlüsse vermittelt. Technisch ist die Normungsarbeit abgeschlossen und nun muss entschieden werden, ob die Norm in die 2. Einspruchsberatung oder direkt in die Endabstimmung geht. Auch wenn die EN 16034 sich noch verzögern sollte, so werden die europäischen Prüf- und Klassifizierungsregeln schon aktiv genutzt und in einigen europäischen Ländern werden bereits nationale Zulassungen und Anerkennungen mit europäischen Klassen erteilt, beispielsweise in der Schweiz, Österreich, Polen und weiteren EU-Staaten. Die genaue Kenntnis der Anforderungen, eine strategische Planung der Nachweise und Prüfungen sowie Erfahrung im Umgang mit den über 20 EXAPs, in denen die Verfahren zur Übertragbarkeit von Größen und dieAustauschbarkeit von Beschlägen, Materialien etc. geregelt ist, können über den Erfolg im jeweiligen Markt entscheiden. Das richtige Konzept für die Auswahl der Probekörper kann entscheidend für den Erfolg bei den jeweiligen nationalen Zulassungsverfahren sein. Deshalb waren die Vorträge zu den Änderungen der relevanten Prüfnormen gut besucht, weil detailliert beschrieben wurde was dies für die Konstruktionen bedeutet, beispielsweise veränderte Temperaturkriterien am Kämpfer von Feuerschutztüren mit Oberlicht. Auch eine intelligente Probekörperauswahl ist wichtig, weil sich hier vielfältige Möglichkeiten zur Übertragung von Prüfergebnissen ergeben. Im Zuge der Anwendung der zukünftigen Europäischen Regeln ist ein möglicher Austausch von Beschlägen und Zubehör besonders wichtig, der in den Regeln zur Anwendung des direkten Anwendungsbereichs der Prüfnormen und des erweiterten Anwendungsbereich der sog. EXAPs wie z.B. das Hardware performance sheet) beschrieben wird. Angesichts des verstärkten Einsatzes automatischer Türen ist auch das Wissen um die neue Produktnorm für elektromechanische Schlösser (EN 14846) wichtig. Der ift-Produktingenieur Alexander Sauer beschrieb die große Klassenvielfalt und die Vorgaben für die Verwendung von Schlössern in Feuerschutzabschlüssen. Vertieft wurde der Themenkomplex „Automatiktüren" vom ift-Experten Klaus Hein, der Tipps im Umgang mit den relevanten Normen für automatische Türsysteme (EN 18650 und EN 16361), der Nutzungssicherheit kraftbetätigter Türsysteme (EN 16005) sowie zur kommenden Produktnorm für automatische Türsysteme (EN 16361) gab. 


Brandverhalten von Fenstern, Fassaden und Türen
Hersteller von Bauelementen werden oft mit der Frage konfrontiert, wie es um die Brennbarkeit und dem Brandverhalten einzelner Komponenten steht, beispielsweise Dicht- und Dämmstoffe oder Holzfüllungen, wenn diese schwer entflammbar sein müssen und wie das nachzuweisen ist. Klaus Dieter Wathling von der Senatsverwaltung in Berlin stellte die Anforderungen, Ausnahmen und aktuellen Änderungen derMusterbauordnung vor und welche Ausnahmeregeln für Fenster, Türen und Fassaden gelten. Ergänzt wurde dies dann durch die ift-Expertin Dr. Michaela Buschbeck, die aufzeigte wie man die geforderten Baustoffklassen für Dichtungs- und Fensterprofileerhält, die im Grundsatz ja aus brennbaren Materialien bestehen.

Deutsche und europäische Zulassungsverfahren 
Kenntnisse im Umgang mit den unterschiedlichen Zulassungsverfahren in Deutschland und europäischen Märkten sind für Hersteller von großer Bedeutung, denn diese sind eine zwingende Voraussetzung für die Vermarktung von Feuer- und Rauschutzabschlüssen. Volker Müller, Stefan Klausing und Robert Krippahl vom ift-Brandschutzzentrum beschrieben die Wege zu den Verwendbarkeitsnachweisen in Deutschland, für die eine Zulassung nach dem Zulassungsverfahren Z-6.21- oder eine Zustimmung im Einzelfall notwendig ist. Ergänzt wurde dies durch den Vortrag vom Präsidenten des DIBt, Gerhard Breitschaft, der die zukünftigen Entwicklungen bezüglich notwendiger nationaler „Spezialanforderungen" erklärte. Diese sind zulässig und notwendig, wenn noch nicht alle Anforderungen in einer europäischen Produktnorm berücksichtigt sind und somit national nachgeregelt werden müssen, da die Mitgliedstaaten für das Sicherheitsniveau verantwortlich sind und weitere Anforderungen definieren können. Die BauPVO sieht in Art. 19 vor, Produkte oder einzelne Eigenschaften durch eine Europäische Technische Bewertung zu beurteilen, wenn das in der Produktnorm vorgesehene Bewertungsverfahren für mindestens ein Wesentliches Merkmal nicht geeignet ist oder gar kein Bewertungsverfahren vorhanden ist. Verwendungsbeschränkungen für Bauprodukte im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaates sind jedoch strittig. Für die Übergangszeit bis zur Aktualisierung der jeweiligen Norm wird in Deutschland von der Bauaufsicht deshalb ein „Rest-Ü-Zeichen" gefordert, beispielsweise wie im Fall von Mineraldämmstoffen, bei denen es für das Glimmverhalten kein europäisches Bewertungsverfahren gibt. 

Marcel Donze vom VKF Bern stellte aktuelle Änderungen des Schweizer Anerkennungsverfahren und der Brandschutzvorschriften vor, beispielsweise die Anerkennung von Bauteilen nur noch nach EN-Normen wie nach EN 1364-1 oder EN 1634-1 

Prüfung, Klassifizierung und Überwachung in USA und Russland
Chris Miles und Matt Schuman von Underwriters Laboratories (UL) informierten über die notwendigen Nachweise für Brandschutzbauteile im US-Markt, die auch für den nahen Osten, Teile Asiens und Südamerika gelten. Auch wenn vieles ähnlich ist, sind doch wichtige Unterschiede im Zulassungs- und Prüfverfahren zu beachten, beispielsweise das auch Zubehörteile wie Dichtungen, Beschläge, Glas etc. einzeln geprüft und klassifiziert werden können und damit die Austauschbarkeit erleichtert. Zudem sind die Überwachungsbesuche häufiger, was die Kosten für europäische Hersteller in die Höhe treibt. Der wichtigste Unterschied ist aber sicher die Belastung durch den „Hose Stream Test", mit dem nach dem Brandversuch die Standfestigkeit der Konstruktion gegenüber einem Löschangriff geprüft wird. Auf dem ift-Brandschutztag wurde deshalb eine Prüfung nach UL-Standard life vorgeführt, bei dem die Fassade von Hueck die Prüfung mit Bravour bestanden hat. Dies war auch die letzte Prüfung, bei der Matt Schuman von UL als „Zeuge" (Whitness) die Prüfung abnahm. Denn ab sofort können Prüfungen und Überwachungen vom ift Rosenheim eigenständig durchgeführt werden, so dass Hersteller schneller und einfacher die notwendigen Prüfungen für die Märkte inNordamerika, Nahen Osten und Asien durchführen können. 

Über die komplexe Welt der russischen Vorschriften berichtete Dr. Alexander Dailov vom Zertifizierungszentrum Opytnoe zusammen mit Lena Tarubarova vom ift Rosenheim. Die Einteilung der Brandschutzklassen folgt zwar dem europäischen System aber die Verwendbarkeitsnachweise und die Zuordnung der Anforderung ist doch ein fremdes und komplexes System, das von Gebäudeklassen, Gebäudearten und der Nutzung abhängt. Auch hier bestehen bilaterale Abkommen mit den führenden russischen Brandprüfstellen Opytnoe und VNIIPO zur Anerkennung von ift-Nachweisen, Zertifizierungen und Überwachungen. 
Damit kann das ift-Brandschutzzentrum seine Kompetenz bei Prüfungen und Nachweisen für internationale Märkte weiter ausbauen und Hersteller optimal bei der Markterschließung von dynamischen Märkten in Europa, Amerika oder in Asien unterstützen.

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