Forschungsprojekt - Beständigkeit von SSGS

Beständigkeit von SSGS – Erste materialorientierte, statistische und experimentelle Untersuchungen in Anlehnung an die EOTA ETAG002-1


Ausgangssituation

Structural Glazing (SG) oder auch Structural Sealant Glazing (SSG) bezeichnet Klebungen, die die auftretenden Lasten aus Wind, Klima und Eigengewicht auf eine Unterkonstruktion übertragen können. Sie ermöglichen glatte Außenhüllen aus Glas ohne sichtbare mechanische Halterungen. In der Architekturlandschaft sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche repräsentative Gebäude mit SG-Verglasungen entstanden.

Ein Prüfverfahren für eine künstliche Alterung solcher Systeme wurde in den 80er-Jahren vom ift Rosenheim in Zusammenarbeit mit Fassadenbauern und Klebstoffherstellern entwickelt. Hieraus ist die Richtlinie ETAG 002 als Basis für zugelassene Fassadensysteme und Silikonklebstoffe für die „Haftpartner" Edelstahl, anodisch oxidiertes Aluminium, pulverbeschichtetes Aluminium und Glas mit und ohne anorganischer Beschichtung ent­standen. Im Rahmen der Entwicklung der Kurzzeitprüfungen wurden gleichzeitig im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Erker des Institutsgebäudes als SG-Fassade mit der damals neuartigen Verbindungstechnik ausgestattet. Im Rahmen der energetischen Sanierung des Gebäudes wurde die 23 Jahre alte SG-Fassade rückgebaut; damit bestand die einzigartige Möglichkeit, diese real gealterte Fassade zu untersuchen und mit Ergebnissen der Kurzzeitprüfungen zu vergleichen, die auf Basis zahlreicher Prüfergebnissen als valide und gesichert gelten.

Zielsetzung

Bei den an der real gealterten Fassade durchgeführten Untersuchungen standen zwei Fragen im Mittelpunkt:
  1. Welche Festigkeiten hat die Klebung noch im Vergleich zum damals festgestellten Neuzustand und im Vergleich zu den künstlich gealterten Werten?
  2. Würde die die Klebung nach 23 Jahren realer Alterung noch die Kriterien der ETAG 002 erfüllen?


Ergebnisse

Durch die Untersuchungen an der real gealterten Fassade konnte die Dauerhaftigkeit der SG-Verklebung belegt werden. So erfüllte die Klebung der rückgebauten Fassadenelemente mit den Substraten anodisch oxidiertes Aluminium und Glas die Kriterien der ETAG 002 auch heute noch. Die Untersuchungen können so dazu beitragen, das deutsche und europäische Sicherheitskonzept auf den Prüfstand zu stellen und auf die mechanischen Halterungen gegen Absturz der Glaselemente bei Versagen der Klebung zu verzichten. Diese sind derzeit in Deutschland für SG-Fassadenelemente, deren Oberkante mehr als 8 m über Grund liegen, als redundantes Sicherheitskonzept vorgeschrieben. Das ift Rosenheim ist an einer wissenschaftlichen Analyse weiterer SG-Fassaden interessiert, um die Datenbasis für vergleichbare Realalterungen weiter auszubauen, so dass die Auflagen eines Sicherheitskonzepts in Zukunft auf ein notwendiges Minimum reduziert werden können.

Projektinformationen


Projektleiter:
Dipl.-Ing. (FH) Karin Lieb

Projektmitarbeiter:


Projektlaufzeit:
11/2011 bis 12/2012

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